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Vom Eingreifen Amerikas bis zum Zusammenbruch / von Karl Helfferich
Entstehung
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Der Friedensschritt des Papstes

meiner Auffassung über die damals bei unsern Feindenaufkeimende Friedensneigung, daß die Ende Juni erfolgen-den päpstlichen Sondierungen auch bei unsern Gegnernauf Ermunterung stoßen mußten.

Vom Ende des Monats Juni bis zu dem offiziellen Vor-gehen des Papstes mit seiner Friedensnote ist dann einlängerer Zeitraum vergangen. Die päpstliche Note ist vom1. August datiert und ist am 14. August in Berlin und umdieselbe Zeit in sämtlichen Hauptstädten der kriegführen-den Großmächte überreicht worden. Der Aufschub dürfteseine Erklärung wohl in der durch den Erzberger-schen Vorstoß vom 6. Juli heraufbeschworenen innerenKrisis in Deutschland und dem Kanzlerwechsel finden.Die Kurie mußte sich nun erst darüber vergewissern, obauch unter der Kanzlerschaft des Herrn Michaelis inDeutschland dieselbe Friedensbereitschaft wie unter Herrnvon Bethmann fortbestehe.

Das war der Fall.

Aber inzwischen hatte sich gerade infolge der krisen-haften Vorgänge in Deutschland und infolge der Erz-bergerschen Indiskretion mit dem Geheimbericht desGrafen Czernin bei unsern westlichen Feinden die Auf-fassung geändert: Als die päpstliche Note Mitte Augustüberreicht wurde, war die Verhandlungsbereitschaft, dieeinige Wochen vorher bei der vorbereitenden Sondierungnoch bestanden hatte, infolge der Erzbergerschen Aktionverschwunden.

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