Einleitung.
Die wirtschaftliche Allgegenwart des Geldes hat schon früh dieAufmerksamkeit derjenigen, welche über staatliche und gesellschaft-liche Einrichtungen nachdachten, auf sich gelenkt. Die Anfänge dermodernen Nationalökonomie waren Versuche, das geheimnisvolle Wesendes Geldes zu ergründen. Das Geld beschäftigte die ersten national-ökonomischen Denker so sehr, dafs ihnen alles das, was wir Volks-reichtum nennen, in Geld verkörpert erschien. Ebenso, wie sich dieAlchymisten den Kopf darüber zerbrachen, wie sie Gold aus minder-wertigen Stoffen herstellen könnten, ebenso war der erste Kreis dervolkswirtschaftlichen Denker bei seinen Erwägungen, wie der Reichtumeiner Nation vermehrt werden könne, durchaus darauf beschränkt,durch welche Mittel möglichst viel Edelmetall — und zwar Edelmetallals Geldstoff — ins Land gebracht werden könne. Ihre Überschätzungdes Geldes beeinfiufste im 17. und teilweise noch im 18. Jahrhundertstark die praktische Wirtschaftspolitik. Die gesamte Handelspolitikder sogenannten merkantilistischen Periode ging aus von dem Be-streben, den auswärtigen Handel so zu gestalten, dafs durch ihn möglichstviel Edelmetall ins Land gezogen werde.
Der naive Glaube, dafs das Geld alles sei, wurde jedoch bald er-schüttert. Es folgte ihm das entgegengesetzte Extrem, eine weit-gehende Nichtachtung des Geldes. Statt in ihm allen Reichtum ver-körpert zu sehen, legte man ihm nur noch einen fiktiven Wert bei,liefs es nur noch als Wertzeichen gelten ( Locke, Httme, Montesquieu )Adam Smith stellte in seinem Werk über den Reichtum der Nationenden Satz auf, die Quelle allen Reichtums sei die Arbeit; die in einemLande vorhandene Geldmenge sei gänzlich gleichgültig für die Be-urteilung seines Reichtums; das Geld habe lediglich die Funktion,den Austausch von Gütern und Leistungen zu vermitteln, und um zueiner richtigen Erkenntnis der wirtschaftlichen Vorgänge und Verhält-nisse zu gelangen, empfehle es sich, von dem lediglich vermittelndenGelde gänzlich abzusehen, das Geld gänzlich auszuschalten und alledurch das Geld vermittelten Beziehungen als direkte Beziehungenaufzufassen.
Zweifellos hat diese Methode zu einem grofsen Fortschritt in dernationalökonomischen Wissenschaft geführt; sie ist zur Auffindung undFeststellung volkswirtschaftlicher Wahrheiten ebenso unentbehrlich, wiedie Voraussetzung des luftleeren Raumes für die Physik. Die An-nahme, dafs die Vermittlung des Geldes nichts an den wirtschaftlichenVorgängen ändern könne, geht jedoch zu weit. Denn ebenso wie die Luftdurch ihr blofses Vorhandensein und durch ihre wechselnde Beschaffen-heit die Bewegungen der Körper beeinflufst, ebenso übt sowohl dieVermittlung des Geldes an sich als auch die verschiedene Beschaffen-heit des Geldes einen Einflufs aus auf die wirtschaftlichen Bewegungen.