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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
96
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9tö Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung rler Edelmetallverhältnisse.

lancier vermochten gegenüber diesem Ausfalle in den wichtigsten Ge-bieten nicht entfernt einen ausreichenden Ersatz zu bieten, und soverringerte sich die Weltproduktion von Gold von 195 000 kg imDurchschnitt des Zeitraumes 185:1 bis 1870 auf 148 600 kg im Jahre 1883.Damit war der tiefste Punkt erreicht, aber eine entscheidende Besserungbrachten die nächsten Jahre noch nicht. Es hatte damals den Anschein,als ob die reichsten Goldlager der Erde unaufhaltsam ihrer gänzlichenErschöpfung entgegengingen und als ob damit endgültig eine Periodeabnehmender Goldgewinnung eingetreten sei. An pessimistischen Prophe-zeihungen nach dieser Richtung hin hat es nicht gefehlt.

7. Periode: 1891 bis zur Gegenwart. Schon in der zweitenHälfte der 80er Jahre machte sich, wenn auch zögernd und unterRückschlägen, eine neue Steigerung der Goldgewinnung bemerkbar.Die australische Goldgewinnung setzte wenigstens ihren Rückgangnicht fort, in den Vereinigten Staaten begann der Goldbergbau allmäh-lich wieder gröfsere Erträgnisse zu liefern, und die weitere Abnahmeder russischen Goldproduktion wurde mehr als ausgeglichen durch denbeginnenden Goldbergbau in Südafrika,

Eine entscheidende Wendung trat erst mit dem Anfang der90er Jahre ein. Jahr für .Jahr, und meist in grofsen Sprüngen, gingdie Goldproduktion in die Höhe. Der Rückgang, der seit dem Beginnder 70er Jahre eingetreten war, wurde rasch wieder ausgeglichen,und am Ende des 19. Jahrhunderts erreichte die jährliche Goldge-winnung einen Betrag, der etwa 2 l / : i mal so grofs war, als die durch-schnittliche Jahresproduktion der kalifornisch-australischen Epoche.

Den Anstofs zu diesem letzten und weitaus stärksten Aufschwungder Goldgewinnung gaben die Goldbergwerke am Witwatersrand inSüdafrika, deren Erträgnisse sich von 1891/92 an in rascher Folgeverdoppelten und verdreifachten. Es handelt sich dort um ein Goldvor-koinmen von ganz aufserordentlicher Ausdehnung und Nachhaltigkeit,und zwar um ein Vorkommen, das nicht im Wege der Goldwäscherei,sondern fast nur im Wege des Quarzbergbaus ausgebeutet werdenkann. Trotzdem liefert Transvaal Erträgnisse, welche auch die reichsteProduktion aller bisher ausgebeuteten Schwemmlande iibertrelfen. ImJahre 1898 betrug die Produktion von Südafrika 120600 kg Gold imWerte von 336,4 Mill. Mark. Seitdem bat der Burenkrieg einen zeit-weisen Stillstand der Minen herbeigeführt, und jetzt, nach Friedens-schlufs, scheint die volle Wiederaufnahme des Betriebs, abgesehen vontechnischen Schwierigkeiten, namentlich in der Beschaffung der nötigenArbeitskräfte auf Hindernisse zu stofsen.

Neben Transvaal wurden einige andere Produktionsgebiete neu inAngriff genommen. Von 1888 an wurde in Indien, namentlich inMysore , Gold produziert, und zwar in rasch steigenden Beträgen; 1899