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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
99
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3. Kapitel. Edelmetallproduktion und Wertverhältnis. § 3. 99

hat, kamen damals schon von der gesamten Goldproduktion etwa70 Proz. aus regelrechtem Bergwerksbetrieb und nur 30 Proz. aus derGoldwäscherei, während l 1 /2 Jahrzehnte vorher der Bergbau gegenüberder "Wäscherei noch eine ganz untergeordnete Rolle gespielt hat. DasVerhältnis hat sich inzwischen noch weiter zu Gunsten des Bergbausverschoben.

Diese Wandlung ist deshalb von ganz besonderer Wichtigkeit,weil der Gangbergbau eine weit gröfsere Nachhaltigkeit der Goldge-winnung gewährleistet als die Ausbeutung oberflächlicher Goldablage-rungen. Während auch die reichsten Goldfelder infolge der Leichtig-keit der Goldgewinnung stets in kurzer Zeit erschöpft werden, kannder Abbau beim Bergwerksbetrieb nur allmählich vor sich gehen. Dazukommt, dafs. die neueren Erfahrungen gezeigt haben, dafs die früherhäufig vertretene Annahme, dafs die Gänge in der Tiefe verarmen,keineswegs allgemein zutrifft, dafs vielmehr der Abbau nach der Tiefebei den wichtigsten Goldbergwerken so weit lohnend bleibt, als sichdie Gänge überhaupt erstrecken.

Das Überwiegen der bergmännischen Goldgewinnung in der neuestenZeit hat die hauptsächlich von dem Wiener Geologen Eduard Süessmit Nachdruck vertretene und vielfach gläubig aufgenommene Ansichtwiderlegt, dafs der Goldbergbau aus geologischen Gründen keine Zu-kunft haben könne und dafs deshalb mit der Erschöpfung der Schwemm-lande ein unaufhaltsamer Rückgang der Goldproduktion einsetzenmüsse. 1 ) Sitess ging davon aus, dafs der weitaus gröfste Teil der Gold-gewinnung er berechnete diesen Teil auf nicht weniger als neunZehntel aus Alluviallagern stamme, die einen ungewöhnlich grofsen,aber rasch erschöpfbaren Goldreichtum enthalten. Je weiter unsereKenntnis der Erdoberfläche fortschreite, um so geringer werde dieWahrscheinlichkeit der Entdeckung neuer und reichhaltiger Wasch-goldlager. Der Bergbau auf Gold werde für diesen Ausfall wegendes unzuverlässigen und spärlichen Goldvorkommens in hartem Gesteinkeinen Ersatz bieten können; daher müsse mit Notwendigkeit einallmähliches Versiegen der Goldgewinnung eintreten.

Wenn jemals eine Theorie schlagend durch die Thatsachen wider-legt worden ist, dann ist der SuEssschen Theorie eine solche Wider-legung zu teil geworden. Die bekannten Schwemmlande sind nahezugänzlich erschöpft, und die Goldgewinnung ist beträchtlich höher alsjemals zuvor. Die Fortschritte der Technik haben ein angeblichesNaturgesetz überwunden. Mit Recht schreibt Lexis über diese wich-tige Frage:

Wenn früher nach Stjess neun Zehntel alles Goldes aus denWäschereien stammte, so werden gegenwärtig vier Fünftel des aufser-

1) Siehe Eduard Süess , Die Zukunft des Goldes. 1877.

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