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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
206
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206 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

Form nur als Geld funktionieren, hat ihre Ausnahmen; auch heutenoch finden Münzen, die mit allen denkbaren Erfordernissen des Geldesausgestattet sind, gelegentlich als Schmuck Verwendung es seinur auf die Benutzung von Reichsmünzen mit dem Bildnis KaiserFriedrichs III. als Brochen u. s. w. hingewiesen; und wenn ein Gold-schmied Münzen zurücklegt, nicht um sie'später wieder zu verausgaben,sondern um sie als Tiegelgut zu verwenden, so haben diese Münzendamit aufgehört, Geld zu sein. Im internationalen Verkehr vollendsist bei den Edelmetallen aus ihrer Erscheinungsform heraus eine Unter-scheidung, ob sie Geld oder nicht Geld sind, ganz und gar unmöglich.Hier flottiert geprägtes und ungeprägtes Edelmetall neben- und durch-einander. Es Averden in Goldbarren grofse Zahlungen geleistet, währendumgekehrt geprägtes Gold in grofsem Umfange der industriellen Ver-wendung zugeführt wird.

Aus diesen Gründen kann eine Definition des Geldes nicht an dieSubstanz und die Erscheinungsform des Geldes anknüpfen, sondern nuran seine Funktionen. Ein bestimmtes Objekt ist Geld, soweit es Trägergewisser, näher festzustellender Funktionen ist.

Dabei ist jedoch ein Fehler zu vermeiden, der häufig gemachtworden ist. Man hat mitunter, um zu einer Definition des Geldes zukommen, die sämtlichen Funktionen, welche das Geld in unsrer Volks-wirtschaft, sei es ausschliefslich, sei es neben andern Gütern, versieht,zu ermitteln gesucht. Als vorbereitende Arbeit hat ein solches Ver-fahren gewifs seine gute Berechtigung, aber eine blofse Aneinander-reihung dieser Einzelfunktionen kann als eine korrekte Definitionnicht anerkannt werden. Denn eine genauere Betrachtung ergiebt,dafs diese Einzelfunktionen sich teilweise aus einer Grundfunktion ab-leiten, teilweise nur regelmäfsig oder gar nur beiläufig mit den begriffs-wesentlichen Funktionen verknüpft sind; ist das der Fall, dann gehörendiese Funktionen nicht in eine Definition, welche nur die wesentlichen,nicht auch die abgeleiteten und unerheblichen Merkmale der zu defi-nierenden Erscheinung zu umfassen hat.

Zur Feststellung des wesentlichen Merkmales giebt es nun zweiWege: entweder mufs man von den Einzelfunktionen ausgehen, einejede davon für sich betrachten, sie zu den andern in Beziehung setzenund sie aufeinander oder auf eine dritte Funktion zurückführen, umso durch Ausscheidung des Unwesentlichen und Abgeleiteten das wesent-liche Merkmal des Geldes festzustellen; oder aber man mufs den Ge-samtorganismus der Volkswirtschaft zum Ausgangspunkt nehmen unddie Stellung des Geldes in diesem Gesamtorganismus zu präcisieren suchen.

Wir schlagen zunächst den letzteren Weg ein. Die später vorzu-nehmende Untersuchung der einzelnen Funktionen des Geldes wird ge-wissermafsen die Probe auf das Exempel liefern.