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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
208
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208 Zweites Buch. I. Abschnitt. Das Geld in der Wirtschaftsordnung.

3. Im Gegensatz zu diesen Gruppen von Mittelsgütern ist wederim Zustande der Eigenwirtschaft noch in einer kommunistischen Wirt-schaftsverfassung ein Existenzgrund vorhanden für eine dritte Gruppe,die uns bei der Betrachtung der vor unsern Augen liegenden volkswirt-schaftlichen Erscheinungen auffallt, und die sich auf den ersten Blick mitdem Begriffe deckt, den wir mit dem WorteGeld" bezeichnen. Diesedritte Kategorie beruht auf der Kombination zweier Grundthatsachen,nicht des Wirtschaftens überhaupt, sondern unsrer gegenwärtigen Wirt-schaftsverfassung: auf der Arbeitsteilung und dem Sondereigentum.

Wo Arbeitsteilung besteht, dort erzeugt jeder nur einen kleinenTeil der Güter, auf die sich sein eigener Bedarf erstreckt; die meistenGüter, die er sowohl für seinen Unterhalt als auch für die Zweckeseiner wirtschaftlichen Thätigkeit nötig hat, werden von andern ge-schaffen. Wo aufseräem Sondereigentum sowohl an Produktionsmittelnals auch an Konsumgütern besteht, können sowohl die zu einer Unter-nehmung notwendigen Mittelsgüter und Arbeitskräfte, als auch die fürden Unterhalt einer Person notwendigen Konsumgüter dem Unternehmeroder Verbraucher aus den Händen ihrer Besitzer und Inhaber nurzur Verfügung gestellt werden durch einen Vorgang, den wir alsVerkehr" bezeichnen, nicht als Verkehr im Sinne von Transport(interlokaler Verkehr), sondern im Sinne der Übertragung des Eigen-tums oder Verfügungsrechtes von einer Person auf eine andere (inter-personaler Verkehr); wir wenden das WortVerkehr" in der folgendenDarstellung ausschliefslich im letzteren Sinne an.

Für den Verkehr in diesem Sinne bildet, wie bereits erwähntwurde, wie aber nochmals ausdrücklich betont sein möge, die Kombi-nation von Arbeitsteilung und Sondereigentum die Grundlage, nichtetwa eine dieser Thatsachen für sich allein. Wo keine Arbeitsteilungbesteht, avo jeder selbständig alles beschafft, was er nötig hat, dort istauch kein Anlafs zu einem Verkehr vorhanden. Wo ferner bei be-stehender Arbeitsteilung kein Sondereigentum vorhanden ist, wo alles,was der einzelne auf Grund einer Arbeitsteilung mit der Gesamtheitgehörigen Produktionsmitteln schafft, der Gesamtheit zufliefst und vonden Organen der Gesamtheit wieder auf die Einzelnen verteilt wird,da mag es wohl eine geordnete Organisation der Güterverteilung geben,aber keinen Verkehr zwischen den wirtschaftenden Individuen.

Aus der in unsrer historisch gewordenen Wirtschaftsverfassunggegebenen Thatsache des Verkehrs ist die Institution des Geldes er-wachsen. Wie der Mensch sich dazu gedrängt sah, bei seiner auf diezweckmäfsige Veränderung der Form und Beschaffenheit der Materiesowie des Standortes der Güter gerichteten Thätigkeit die Arbeitdurch den Gebrauch von Mittelsgütern zu erleichtern und wirksamerzu gestalten, genau ebenso drängte sich ihm die Benutzung von Mittels-