486 Zweites Buch. IY. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
die Ergriindung der Ursachen gewisser Thatsachen und Vorgängedes Verkehrs.
Man hat die erste Frage als das Problem des „äufseren Tausch-w ertes", die zweite als das Problem des „inneren Tauschwertes" desGeldes bezeichnet. *) Die Anwendung der letzteren Bezeichnung fürdie Frage nach den auf Seite des Geldes liegenden Bestimmungsgründendes Austauschverhältnisses zwischen dem Geld und den übrigen Objektenist — wie man sich stets vor Augen halten mufs — nur auf Grund derVorstellung möglich, dafs ein jedes von zwei Verkehrsobjekten, die inirgendwelchem quantitativen Verhältnis gegeneinander umgesetzt werden,ein bestimmtes Quantum von Tauschwert umschliefse; in diesem Tausch-wertquantum, das absolut genommen überhaupt nicht vorstellbar ist,denkt man sich die auf der Seite des Geldes für das Austauschverhältniswirksamen Bestimmungsgründe gewissermafsen kondensiert. Aus Grün-den der Einfachheit der Terminologie empfiehlt es sich in der That, dieWirkung der auf der Seite des Geldes liegenden Bestimmungsgründe fürdie Austauschverhältnisse zwischen dem Gelde und den übrigen Warenunter der Bezeichnung „innerer Tauschwert des Geldes" oder nocheinfacher unter der Bezeichnung „Geldwert" zusammenzufassen. Nurmufs man sich dann die Bedeutung dieses Wortes [stets vor Augenhalten und jedes Durcheinanderwerfen dieses Begriffs mit den that-sächlichen Austauschverhältnissen, in denen aufser dem „Geldwert"auch der „innere Tauschwert" der übrigen Verkehrsobjekte in Erschei-nung tritt, vermeiden. — Im folgenden soll der „äufsere Tauschwert desGeldes" im oben definierten Sinne als „Kaufkraft" des Geldes, der innereTauschwert des Geldes schlechthin als „Geldwert" bezeichnet werden.
Wenn wir nach dieser Klarstellung des Problems und der Ter-minologie an die Frage nach den auf der Seite des Geldes wirksamenBestimmungsgründen für die Austauschverhältnisse herantreten, so bietetsich für die Lösung dieser Aufgabe kein anderer Anknüpfungspunkt alsdie fundamentalen Thatsachen, welche die Voraussetzung eines jedenWertes sind. Aber sofort machen wir die Beobachtung, dafs zwischen denVoraussetzungen des Wertes und den Austauschverhältnissen selbst eineinfaches Verhältnis nicht besteht. Weder der Grad der Brauchbarkeitzweier Güter noch der Grad der Schwierigkeit ihrer Beschaffung ge-statten eine unmittelbare Ableitung des zwischen den beiden Güternim Austausch realisierten oder zu realisierenden Wertverhältnisses.
Allerdings haben wir in der sogenannten „Grenznutzen-Theorie"einen geistreichen Versuch, den Verkehrswert der Güter in unmittelbareBeziehung zu dem Grad ihrer Nützlichkeit zu setzen. Wenn von einemGute ein bestimmter Vorrat gegeben ist, so werden aus diesem Vorrat
1) Vergl. Menger im Handwörterbuch der Staatswissenschaften 2. Aufl., IV. Bd.S. 88—95 (Artikel „Geld")-