512 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
Ernährung der eigenen Bevölkerung notwendigen Lebensmittel und dieRohstoffe der eigenen gewerblichen Produktion. Ferner aber stehenden kleinen und vorübergehendenden Vorteilen, die sich aus den ge-schilderten Wirkungen etwa ergeben können, schwere Nachteile gegen-über. Einem Valutarückgang sind diejenigen Länder am meisten aus-gesetzt, deren wirtschaftliche und finanzielle Kraft am wenigstenentwickelt ist. Solche Länder bedürfen zur Aufschliefsung und Nutz-barmachung ihrer Hilfsquellen der Unterstützung durch das Kapitalder weiter vorgeschrittenen Goldwährungsländer. Unsichere Valuta-verhältnisse sind jedoch für die Heranziehung dieses Kapitals eingrofses Hindernis. Die Kapitalisten der Goldwährungsländer, die ihrKapital in solchen Gebieten anlegen, laufen Gefahr, dafs die in derschwankenden Valuta eingehenden Erträgnisse gegenüber dem Gold-geld entwertet werden; soweit sie sich durch dieses Risiko nicht ab-schrecken lassen, müssen sie sich durch Ansprüche auf höhere Zinsenoder eine gröfsere Rentabilität schadlos halten. Vielfach sehen sichsowohl die staatlichen Finanz Verwaltungen, als auch die privatenUnternehmer in solchen Ländern genötigt, das Kapital durch die Zu-sage der Verzinsung und Rückzahlung in Goldgeld heranzuziehen;dann hat das Land mit unsicherer Valuta selbst das ganze Risiko zutragen, da für die zukünftigen Goldzahlungen mit jedem weiterenRückgang der Valuta ein gröfserer Betrag einheimischen Geldes auf-zuwenden ist. Die sich aus diesen Verhältnissen ergebende Erschwe-rung der Kapitalzufuhr bedeutet für die wirtschaftliche und finanzielleEntwicklung der Länder mit schwankender Valuta eine Hemmung, diebeträchtlich schwerer ins Gewicht fällt, als der vorübergehende Anreiz,der sich aus einem Valutarückgang für einzelne Produktionszweigemöglicher Weise ergeben kann. So erklärt es sich, dafs die Länder,welche die Wirkungen einer schwankenden Valuta an sich selbst er-fahren haben, von den Wohlthaten einer Valutaentwertung nichtswissen wollen, dafs sie vielmehr bereit sind, für die Herstellung einesfesten Kursverhältnisses zwischen ihrem Gelde und dem Gelde derGoldwährungsländer erhebliche Opfer zu bringen.
§ 7. Die Methoden der Messung des Geldwertes.
Die Erkenntnis, dafs das Geld, dessen wir uns als des allgemeinenAusdrucks für alle Werte bedienen, in seinem Werte nicht unveränder-lich ist, dafs es sowohl in seiner Kaufkraft gegenüber allen übrigenWerten, als auch in den auf seiner Seite wirksamen Bestimmungs-gründen seines Wertverhältnisses zu allen übrigen VerkehrsobjektenVeränderungen unterliegt, mufste mit Notwendigkeit zu Versuchenführen, die Veränderungen des Geldwertes selbst einer Messung zuunterziehen, um dadurch ein zutreffendes Urteil über das Wesen der