Abraham a Santa Clara.
Geb. d. 4. Juni 1642, gest. d. 4. Dec. 1766.
Der eigentliche Name dieses merkwürdigen Manneswar Ulrich Megerle, sein Geburtsort war dasschwäbische Dorf Krähenheimstetten. Er studirtezu Wien Theologie und Philosophie, und widmete sichfrühzeitig dem Klosterleben; schon als achtzehnjährigerJüngling trat er zu Marienbrunn in den Augustiner-orden. Zum Festtagsprediger nach dem Kloster Tarain Baiern berufen, begann er bald, sich durch seineKanzelvorträge hervorzuthun, welche in vor ihm kaumdagewesener Weise voll Laune, Humor, Satpre undSchalkhaftigkeit die Thorheiten und Fehler der Men-schen geißelten, reiche Kenntniß der Welt und desMenschcnherzens kund gaben, und von einer Ueber-fülle theils guter, theils barocker, stets aber originellerGedanken strotzten. Wie Abraham a Santa Clarasprach, ebenso schrieb er auch, und er schrieb gernund viel, wurde aber auch ebenso gern gelesen alsgehört und seine Schriften fanden im Publicum einesolche Theilnahme, daß sie nicht nur in andere Spra-chen übersetzt, sondern auch noch in neuerer Zeit,miudestens ausgewählt, wiederholte Auflagen erlebten.
Abraham a Santa Clara verstand es, durch Wortwitzzu glänzen, wie keiner vor und nach ihm, dabei neigteer sich dem Geschmack der Zeitgenossen zu, und wurdedurch freimüthige Derbheit volksthümlich. Der weit-verbreitete Ruf, den er sich gewonnen hatte, war Ur-sache, daß man ihn nach Wien verlangte, es war et-was neues, den Humor auf der Kanzel zu erblicken,und Wien hat stets lieber gelacht als geweint. DerKaiser hatte ihn persönlich kennen gelernt, und beehrteihn mit seiner Gunst — Abraham a Santa Clarawurde Hofpredigcr zu Wien und Grätz, da er als Au-gustiner Ordensmann nicht wohl Hofnarr werden konnte;das rillsnelo eliooro vorum verstand dennoch keiner sogut wie er. Im Jahr 1689 wurde der Pater PriorAbraham a Santa Clara zum Provincial seines Or-dens ernannt, und blieb sich im übrigen gleich alsgeistlicher burlesker VolkSredner, der sich im bis zuTode gehetzten Witz und Wortspielen und der Sucht,Sätze und Gegensätze bis zur Erschöpfung aneinanderabzureiben, gefiel, wobei sich aber aus dem Sandeseiner Mahlsteine auch Goldkörncr gediegenen Ernstes