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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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unterweilcn löste». Stets hielt mit den» Gedanken-reichthum seiner Vortrage und Schriften auch sein üppigzuströmender und überströmender Wortreichthum gleichenSchritt, und wurde nur bisweilen zu Wortschwall undSchwulst. Wie in Schrift und Rede vieles bei ihmgesucht und manches Gleichniß gleichsam an den Haa-ren herbeigezogen wurde, so war es auch mit seinenSchriften der Fall, deren gesuchte und barocke Titeleben nur dem Geschmack und dem Wohlgefallen amplatten, rohen und gemeinen seiner Zeit zusagen konnten.Die wichtigsten Schriften Abrahams a Santa Clara,die fast alle in Quart erschienen, sind: Religiöse Gram-matik; Merks Wien ; Judas der Erzschelm, L Theile;Wintergrün; Abrahamisches Gehab dich wohl; Reimbdich oder ich liß dich; Heilsames Gemisch Gemasch;Hup und Pfuy der Welt; Etwas für Alle; GeistlichesWaarenlager mit apostolischen Waaren; AbrahamischesBcschcidesscn; Abrahamische Lauberhütte; Neu ausge-hecktes Narrennest; Allgemeiner Todenspiegel; GroßeTodcnbrüderschaft, u. a.

Ungeheure Bclesenheit und Bcwaudertheit des Au-tors in der heiligen, wie in der Profangeschichte gibtsich in der Mehrzahl dieser Werke kund, und in vielenist mehr zu finden, als was der Titel ahnen läßt.

Wer suchte, um nur ein Beispiel anzuführen, unterdem burlesken Titel des, Kaiser Joseph I. zugeeigneten«Hup und Pfuy der Welt» ein treffliches Fabelbuch?Dieses eine Werk schließt eine Fülle von Moral undallumfassender Kenntniß ein. Als Mensch ist dem Dich-ter alles gute Lob ertheilt worden, er war gottesfürchtig,demüthig, eifrig in der Religion, treu seiner Kirche, wieseiner Pflicht. Er strafte ohne zu verletzen, und wenner mit strafender Rede einen bis zu Thränen rührte,ließ er ihn doch nicht unaufgerichtet und »»getröstetvon dannen gehen. Er war geliebt und geachtet, undseine Doppelbegabung, alles, was er sprach, mit heitererGemüthlichkeit vorzutragen, und doch die Wahrheitohne Scheu und Menschenfurcht zu sagen, gewann ihmden allgemeinen Beifall. Er schonte keineswegs denkaiserlichen Hof, und jeder an demselben mußte sich ge-fallen lassen, die Wahrheit von ihm zu hören. Erwar Cato und Democrit in einer Person.

Abraham a Santa Clara brachte sein Leben auf67 Jahre, und starb mit einem milden Lächeln. Erhatte seinen Lebenszweck erfüllt, war mit dem Todevielfach vertraut geworden, konnte demselben ohne Furchtentgegensehen, und ihn wie ein Weiser begrüßen.