Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Johann Arnd .

Geb. b. 27. Dez. I5L8, gest. d. II. Mai I«2I.

Ein protestantischer Theolog mit dem asketischen Geisteines Tauler und Thomas a Kempis , dessen Ruhmund Name einst Deutschland mehr erfüllte, als irgendein Name der gefeiertsten Theologen der Neuzeit.

Geboren zu Ballenstädt , der heiter gelegenen Stadtam nördlichen Fuße des Harzgebirges, wirkte das Bei-spiel eines frommen Vaters einflußreich auf des KnabenGcistesrichtung; dieser Vater, Jacob Arnd, war Hof-prediger bei dem Fürsten Wolfgang zu Anhalt; derKnabe hatte sich durch eine leidenvolle Jugend hin-durchzukämpfen, und widmete sich anfangs, um andernLeidenden ein Helfer zu werden, dem Studium derArzneikunde. Ein höherer Wille aber lenkte ihn vomStand eines leiblichen Arztes zu dem eines Seelen-arztes hinüber. Johann Arnd besuchte die Hochschulenzu Hclmstädt, Wittenberg, Straßbnrg und Basel ; eslag noch in der Sitte der Zeit, möglichst lange zustudieren und möglichst viele Universitäten zu besuchen,und ging von der Medicin zur Gottesgelahrtheit über.Der wackere und einsichtsvolle Regent Joachim Ernst,Fürst zu Anhalt , berief den jungen Theologen als

Prediger in seine Residenz Ballenstädt ; dort undin dem ganz nahen Dorfe Badeborn wirkte Arndsieben Jahre lang in seinem Pfarr- und zugleich in einemSchulamte als Lehrer, und ahnete nicht, daß sein Ge-schick ihn aus diesem stillen und segensreichen Bcrufs-kreise schleudern werde. Allein Spaltungen zwischenLutheranern und Reformirten bewogen Arnd, derHeimath Valet zu sagen. Sein unerschütterlicher Glaubewar der streng lutherische; nicht des Calvinismus wegenwurde Arnd aus seiner Heimath vertrieben, wie daund dort zu lesen ist, sein Festhalten am Lutherthumgebot ihm zu gehen. Weit ging er nicht, schon dasBallenstädt nahe genug gelegene Quedlinburg nahmden Mann vom besten Ruf und ausgezeichneten Wandelmit offenen Armen auf, und er wurde dort als Pre-diger angestellt.

Dies geschah im Jahre 1590, und Arnd wirkteaufs neue neun Jahre in Quedlinburg -Neustadt mitSegen. Im Jahr 1599 traf ihn ein ehrenvoller Rufnach Braunschweig , wo er Prediger an der St.Martinskirche wurde. Wieder neun Jahre eines rühm-