Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Caspar Aquila .

Geb. d. 7. Aug. 1ä88, gest. d. 12. Nov. 1560.

Sinter den bedeutenden Theologen, welche getreulich demPfade Luther's nachwandelten, und neben Ämsdorf, Me-lanchton, Bugcnhagen, Jonas, Spalatin , Cruciger und My-conius wirkten, behauptet auch Caspar Aquila als Reforma-tor eine Ehrenstelle, der nach einem thätigen und mannigfachbewegten Leben eine lange Zeit in Thüringen segensreichwirkte,

Caspar Aguila ward zu Augsburg geboren und ent-stammte einem angesehenen Geschlechte; der Vater, Leonhard,war Stadtsyndicus und schrieb seinen Namen noch unver-wälscht: Adler. Der Sohn erhielt guten Schulunterricht,setzte diesen in Ulm fort, wählte das theologische Studiumund machte nach Vollendung der Vorbereitungsstudien eineReise nach den Hochschulen Italiens. Er verweilte auf derRückkehr in der Schweiz, wo er des Erasmus Bekanntschaftmachte, nach der sich alle jungen Gelehrten förmlich drängten,doch war es vornehmlich Bern, welches den jungen Aquilafesselte Er predigte in dieser Stadt und erhielt 1511 im26. Jahre seines Alters eine Berufung zu einem Pfarramtsin Bern, welches er zwar annahm, aber nicht lange bekleidethaben kann, da er sich bald darauf nach Leipzig begab, umsich noch mehr in den Wissenschaften zu vervollkommnen.Aus dieser Reise ritt Aquila durch Saalfeld, die Stadt seinesletzten langjährigen Wirkens, ohne dieß zu ahnen, traf denMarkt noch ungepstastert und den Chor der St. Johannis-kirche noch nicht ausgebaut. Aber auch in Leipzig war

Caspar Aquila's bleiben nicht lange; es war seiner jüngere»Lebensperiode eine rastlose Wanderschaft vom Geschick zu-gedacht, die ihm heilsam lehrte, Widerwärtigkeiten des Lebensmit Leichtigkeit zu ertragen und sich nicht mit Zähigkeit aneine Scholle zu heften. Franz von Sickingen halte 1515sein Banner erhoben, führte damals noch mit Glückseine Fehdezüge durch, und Caspar Aquila wurde Franzensrüstiger Feldprediger, folgte mit zwei zu seinem Dienst be-stellten reisigen Knechten dem Heerlager und theilte Gefahrenund Entbehrungen treulich mit dem Herrn und dessen Heere,Als es indessen mit letzteren etwas gar zu bunt sich gestal-tete, nahm Aquila eine kleine Pfarrstelle zu Jenga oderJengen bei Augsburg an und > veryeirathete sich. Daswar von einem katholischen Pfarrer protestantische gabes 1516 noch nicht freilich ein sehr gewagter Schritt,dessen Folge Aquila bald genug zu tragen hatte, denn derBischof von Augsburg ließ ihn nach einiger Zeit gesanglicheinziehen, auf einem Karren nach Dillingen führen und überein Winterhalbjahr hindurch in harter Haft ohne die min-deste warme Speise halten. Zwar gelang es, ihn los-zubitten, und es soll dieß sogar durch die eigene SchwesterKaiser Karl s V. geschehen sein, aber er mußte sein Eigenthumund seine reiche Büchersammlung einbüßen und durfte nichtsmit von dannen nehmen, als Weib und Kind. Unterstütztvon wohlwollende» Augsburg« Freunden wandte sich Aquilajetzt nach Wittenberg, hörte Luther und dessen academische