Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Freunde, und promovirtc am 21, Januar 1521 zugleich mit15 anderen Kandidaten.

Nach der Hand findet sich Caspar Aquila abermals imSicking'schcn Schutz und Dienst; er unterrichtete FranzensSöhne Swickard »nd Franz Konrad auf Burg Landstuhl,half vielleicht später auch bei dem Druckercigeschäft auf derEbernburg und bestand auf der letzteren das bekannte höchstgefährliche Abenteuer, daß die Kriegsknechte ihm znmuthcten,eine vom Feind in die Burg geschossene Stuckkngcl zutaufen, und bei seiner Weigerung ihn in einen großenFenermörser steckten und drohten, ihn über die Mauern hin-aus zu schießen. Nur das versagen des PnlverS auf demZündloch des Mörsers habe, so wird erzählt, ihn gerettet, und,wieder auf festen Boden gestellt, habe er muthvoll gesagt:«Und ich taufe die Kugel doch nicht!»

Nach Sickingens traurigem Ende zerstreuten sich die vondiesem so treu und liebevoll geschirmten Geistlichen: Oeco-lampadinS, Buzer, Schwabelius und Aquila, und der letztefand 1525 zunächst in Eisenach ein Asyl, wo er aufs nenezu lehren und zu predigen begann, aber auch dort nicht langeaushielt, sondern sich wiederum nach Wittenbcrg wandte.Dort leistete er Luther thätige Hülfe bei der Bibelübersetzung,denn er war der heiligen Schrift in so hohem Grade kundig,daß Luther selbst von ihm rühmte: «Wenn die Bibel ver-brannt oder verloren würde, so wollt ich sie bei Aquilawieder finden». Dadurch bildete sich ein inniges Frennd-schaftSverhältniß Aquila'S mit Luther aus, und so wurde dererstere auch deS letztere» Hochzeitgast bei dem Ehrenmahle,das Luther mehrere Tage »ach seiner Trauung einigen aus-erwählten Freunden gab.

Wenige Jahre darauf sandte der Stadtrath zu Saalfeld etliche Nathsverwandic an Or. Luther mit der Bitte, ihmeinen guten Seelsorger vielleicht Aquila vorzuschlagenund zu verschaffen; gleichzeitig waren, und in gleicher Absichtmit den, Verlangen nach demselben Mann, auch Abgeordnetedes Grafen Heinrich vv» Nassau in Wittenberg angekommen,doch gewannen diesen letzteren die Saalfelder den Vorrangab. Aquila fand Saalfeld noch von ganz katholischemAeußer»; da bestand noch das reiche Benedletinerstift, außer-dem ein Franziskanerkloster, ein Benedictiner-Nonnenklosterund sechs gangbare Kirchen und Kapellen, und alle mög-lichen abergläubischen Gebräuche eines uralt herkömmlichen,tief gewurzelten Volkslebens, zum großen Theil aus demHeidenthnm in das Christenthum mit herüber genommen.Da gab der geistlichen Arbeit viele, und Aquila hatteanfangs als Prediger, dann bald darauf als Superintendentund Kircheninspector vollauf zu thun. Daö erste, was ervornahm, war die Abfassung eines kleinen deutschen Ka-techismus als Grundlage des christlich-evangelischen Kinder-nnterrichts, dann entwarf er faßliche Predigten, die er vonfähigen Schülern auswendig lernen und in der Kirche auf-sagen ließ, was vielen Beifall fand, und so gelang ihm unterGottes Beistand allmälig trotz aller Gegenbcstrebnngen derpfäsfischen Partei die Reformation seiner großen Gemeindewie der Umgegend, zumal der Stadtrath ihn schirmte undLnther mit seinem Rath ihn unterstützte.

Als der Reichstag zu Augsburg im Jahre 1530 sich vor-bereitete, zog es auch Aquila dorthin, zumal sich mit diesemund seine» wichtigen Angelegenheiten die günstige Gelegen-heit bot, die alte liebe Heimath einmal wieder zu sehen; erverfaßte auch eine Ermahnung an die zn Augsburg ver-sammelten Bischöfe und Geistlichen. Ein wichtiges Ereignißwar für ihn, daß auf der Reise »ach Augsburg Luther selbstnach Saatfeld kam »nd in der St. Johanniskirche dort pre-

I digte, von wo er noch bis Coburg reiste, wo er bekanntlichblieb. Der begleitende Freundeskreis aber setzte seine Reisenach Süden fort. Aquila blieb Augen- und Ohrenzeuge derVerhandlungen des Reichstags, und Melanchton schrieb anLuther, daß Aquila, dem es in Augsburg gut ergangen undder auch vom Bischof Stadion sehr wohl aufgenommenworden sei, ihm viel erzählen werde.

Nach der Rückkehr von Augsburg widmete sich Aquilawieder mit allein Eifer seinem Amte, verfaßte eine Auslegungdes 33. Psalms und andere theologische Ausarbeitungen, be-gegnete kräftig den Ansprüchen und Eingriffen des GrafenAlbrecht von Mansfeld au und in Saalfelder Klostergüterund wirkte thätig bei der 1533 angeordneten zweiten General-visitation der sächsischen Kirchen vornehmlich mit dahin, dieZustände seiner eigenen Parvchie zu heben und zu verbessern.Im Jahre 1539 wurde Aquila Wittwer und verheirathetesich sehr bald darauf mit einer nicht mehr ganz jungen Saal-felderin. Später und zumal nach dem von Aquila tief be-trauerten Tode Luther's gerieth er in Verdrießlichkeiten mitseinem Diaconus, wie mit einem dortigen Beamten; balddarauf kam Kriegsgetümmel auch in das friedliche Saalthal,als die unglückliche Schlacht bei Mühlberg geschlagen war,und Aquila flüchtete nach Rudvlstadt, richtete mehrere Trost-schreiben an seinen gefangenen Herrn, den Kurfürsten vonSachse», die derselbe auf das gnädigste aufnahm und eigen-händig beantwortete, und zeigte sich nicht minder durch andereSchriften voll treuer Beharrlichkeit auch in gefahrvoller Zeit.Ganz besonders that er sich bald darauf als entschiedensterGegner deö Interim hervor, half das Bedenken dagegen aus-arbeiten, unterzeichnete dieses mit und protestirte heftig gegendie von Eisleb ausgesprochene Berläumdung, er habe sich demInterim geneigt gezeigt. Daß es ihm Ernst war mit seinemWiderspruch, beweist der Umstand, daß der Kaiser einen Preisvon 5000 Goldgülden für den aussetzte, der Caspar Aquila tod oder lebendig ausliefern würde. Dieß ward kaum ruch-bar, so erbat der Rath zu Saalfeld bei der benachbartenverwittweteu Gräfin von Schwarzburg zu Rudvlstadt, derhochherzigen Hennebergerin Katharina, Schutz für Aquila,die den fliehenden herzlich gern aufnahm, ihn auf ihremSchlosse heimlich verbarg, und zwar fast ein halbes Jahrlang. Da aber doch das Geheimniß des AufenthaltesAquila's auf dem Schlosse zu Rudvlstadt ein öffentliches ge-worden sein mochte, verwendete sich die Gräfin für den Be-drohten bei ihren Brüdern, den Fürstgrafen Georg Ernst und Pvppo zu Henncberg, die ihn in aller Stille nach Schmal-kalden führen und dort erhalten ließen. Dort blieb Aquila,wurde 1550 Decan am Cvllegiatstift St. Erhardi, war alsPrediger beim Volke sehr beliebt, mußte aber Anfechtungvon seinen Amtsbrüdern erleiden, und war erfreut, als dieWendung, welche durch Kurfürst Moritzens Abfall vom Kaiserdie politischen Angelegenheiten nahmen, ihm erlaubte, wiedernach seinem geliebten Saalseld zurückzukehren, nachdem eineförmliche Wiederbernfung seiner dorthin erfolgt war. Dießgeschah 1552 und nun wirkte Aquila noch 8 Jahre lang treuund unermüdlich im Amte, wohnte der Inauguration derUniversität Jena bei, hielt sich fern von den dort bald daraufausbrechenden widerwärtigen theologische» Streithändeln, be-klagte noch Melanchton's Tod, wurde zum Kirchenrath inWeimar ernannt, kam aber nicht dahin, sondern wurde zneiner andern Stelle in das Jenseits abgerufen, nachdem ernoch eine Schrift, welche auf dem bevorstehenden Konventzn Naumburg den evangelischen Fürsten und Ständen über-geben werden sollte, eigenhändig unterzeichnet hatte.