Johann Wilhelm von Archenholz.
Geb. d. 3. Sept. 1743, gest. d. 28. Febr. 1812.
Münster im geschmackvollen Styl und in der ethno-graphischen Schilderung; durch Reisen hochgebildet undzum Neisebeschreiber geboren, nicht minder durch Prak-tische Kenntniß des Kriegswesens berufen, kriegs-geschichtliches zu bearbeiten — so war und blieb Archen-holz lange Zeit Liebling der Freunde einer ernsten,bildenden Lektüre, und wird noch immer von vielenmit Vorliebe gelesen.
I. W. v. Archenholz erblickte das Licht der Weltzu Langfuhr, einer Vorstadt von Danzig, und wid-mete sich frühzeitig dem Soldatenstandc. Er kam indas Cadettenhaus in Berlin, und trat mit 15 Jahrenaus demselben als Unterlieutcnant in das preußischeHeer ein. Im Regiment Forcade machte er den sieben-jährigen Krieg mit, den er später so trefflich schilderte,und erhielt nach dessen Beendigung 1763 den Abschiedals Hauptmann.
Unbczwingliche Sehnsucht zu reisen, bestimmtev. Archenholz, die unfreiwillige Müsse, die der Friedens-schluß für ihn herbeigeführt hatte, dazu zu verwenden,fremde Länder zu sehen, berühmte Menschen kennen zu
lernen und ihres Umganges sich zu erfreuen, und selbstlernend, durch Schilvcrung des geschauten und er-lebten, wieder andere zu belehren. Dabei unterstützteihn die trefflichste Beobachtungsgabe, guter Geschmackin der Auswahl des mitzutheilenden, feines Gefühl,von Menschen, Sachen und Ereignissen das charakte-ristische herauszufinden und hervorzuheben, welche Eigen-schaften ihm bald den Beifall der gebildeten Lescweltgewannen und dauernd sicherten, v. Archenholz durch-reiste ganz Deutschland, die Schweiz, Holland undBelgien, Frankreich, England und Italien, Dänemark,Norwegen und Polen. In England war er dreimalund zweimal in Italien. In letzterem Lande traf ihnleider ein schweres Mißgeschick; ein unglücklicher Fall,den er that, wurde von den Aerzten und Chirurgen,deren Hülfe er sich anvertrauen mußte, so übel behan-delt, daß ihm lebenslänglich eine Lähmung blieb undihn, den der Krieg verschont hatte, zum Krüppel machte.Hierauf privatisierte v. Archenholz abwechselnd in meh-reren bedeutenderen deutschen Städten, wie Dresden,Leipzig, Berlin, Hamburg, und lebte vom Ertrag seiner