Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Johannes Aventin.

Geb. 1466, gest. d. 6. Jan. 1554.

Der Vater der bayrischen Geschichtschreibung, welcher,hochverdient um sein Vaterland, auch andern Geschicht-schreibern Beispiel und Anregung zu gleicher ruhm-voller Thätigkeit gab.

Abensberg in Oberbayern war der GeburtortJohann Thurmair's (dieß der ursprüngliche Vatername),dessen Jugendgeschichte im Dunkel liegt. Er bestimmtesich den Studien und der Wissenschaft und studirtezuerst auf der heimischen Hochschule, dem berühmtenJngolstadt, wo unter vielen Hochbegabten auch dererleuchtete Conrad Celtes lehrte, und nannte sich dannAventinus, weil er der Ansicht war, sein HeimathortAbensberg sei von altrömischer Gründung und habeals Colonie der Römer den Namen Aventiniumgeführt, genannt nach dem größten Berge der welt-behcrrschenden Siebenhügelstadt. Von Jngolstadt wandtesich Aventin nach Paris, wo ebenfalls berühmteMänner seine Lehrer wurden und er die Magister-würde erlangte. Im Jahre 1503 kehrte er nachDeutschland zurück und reiste nach Wien, wo er Privat-vorlesungen in der Poesie und Beredsamkeit hielt, von

da 1507 nach Krakau, der altberühmten HochschulePolens, wo er gleich dem früher dort ebenfalls ver-weilt habenden Conrad Celtes Lehrer und Schüler zu-gleich war, wie es überhaupt zur Zeitsittc gehörte,möglichst viele Hochschulen zu besuchen. In Krakaulehrte Aventin öffentlich griechische Grammatik und stu-dirte Mathematik. Nach Verlauf einiger dort zu-gebrachten Jahre zog es ihn abermals nach der Hcimath,er weilte eine Zeitlang in Regensburg und begab sichdann wieder nach Jngolstadt, wo er mit Ruhm Rhe-torik lehrte und einige Bücher Ciccro's erklärte.

Ein ehrenvoller Ruf nach München, vielleicht ver-anlaßt durch seine 1512 erschienene liuclimenta gr-im-wntioao Istinso erhob Aventin zum Erzieher derbeiden Prinzen des Bayernherzogs Albert, WilhelmLudwig und Ernst, und hier war es nun, wo Berufund Aufmunterung ihn veranlaßte, sein großes Werk:^nnslss Losorum zu verfassen, zu welchem er die sorg-samsten Geschichtsstudien in den Archiven Bayerns undDeutschlands, sa selbst Italiens machte, für welchenZweck die Reisen mit dienten, auf denen er seine fürst-