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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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das Mißgeschick durch gänzlichen Mangel an allenKriegsbedürfnissen und nach der mannhaftesten Gegen-wehr ihm in den Tagen von Lübeck die Kapitulationabzwang und ihn zum Kriegsgefangenen machte. SeineAuswechselung erfolgte jedoch nach kurzer Frist.gegenden von Schilt gefangenen französischen MarschallVictor (Bellnno), und da nun 1807 abermals einFriedensschluß, der zu Tilsit , zu Stande kam, erhobder König Blücher zum Militairgonvcrneur der Pro-vinz Pommern, berief ihn aber später nach Berlin ,um ihm im Kriegsdepartemcnt eine geeignete Wirk-samkeit zu übertragen.

Wieder zogen Jahre vorüber. Napoleon wälztedie Massen seiner Hccreswogcn gegen Rußland , undBlücher sah sein siebenzigstes Lebensjahr heran-nahen, ein Alter, in welchem selbst rastlos thätige,wenn sie es erreichen, gern das Ziel der Ruhe be-grüßen; da erhob sich Preußens König mit seinemVolke, da saß der alte Blücher wieder hoch zu Roßund tummelte es jugendlich, und als die vcrhängniß-volle Schlacht bei Groß-Görschen geschlagen ward, wares Blüchcr's Heldengeist und Hcldenarm, der unterGottcS Schutz den preußischen Waffen zum Siege half.Es bedarf nur der Namen der Schlachten, von denenjede ein Sieges- und RuhmcSstern für Blücher wurde,um die helllcnchtende Glorie um das verehrte Hauptdes greisen Helden, Deutschlands Befreiers, zu erblicken:Bautzen und Wahlstadt an der Katzbach, Wartenbnrgund Leipzig, la Nothiere, Champanbert und Laon bis der Einzug der verbündeten Monarchen und ihrerHeere die Kette glorreicher Thaten würdig abschloß.Allseits auf das freudigste anerkannt, schmückten dieMonarchen des Generalfeldmarschalls Blücher Brustmit ihren höchsten Orden; er ward reich mit Güternbegabt und in den Fürstenstand erhoben. Fürst vonWahlstadt hieß er nun so recht bedeutungsvoll, dennfast jede Wahlstatt, auf welcher er kämpfte, war ihm

eine Sicgesstätte geworden; sein bekannter Znrns:«Vorwärts Kinder, vorwärts!» begeisterte die Mann-schaften, setzte Regimenter in nnwiderstehbare Bewe-gung, und Rußlands Krieger zuerst waren es, die demgroßen Heerführer den schnell allbeliebt bleibendenvolksthümlichen Namen «Marschall Vorwärts» bei-legten. In Paris drohte eine Krankheit dem durchunerhörte Kriegsstrapatzcn erschöpften Leben Blüchcr'sein Ende zu machen, aber die kräftige Natur besiegteselbst den Tod; Blücher folgte seinem König nach Eng-land, ärntete auch dort als einer der gefeiertsten Heldender Zeit die höchsten Ehren, und kehrte endlich in dasdurch ihn zumeist mitgerettctc und von dem tyrannischenDruck der napoleonischen Herrschaft befreite deutscheValerland zurück, um auf den ihm zu Theil gewor-denen Gütern nun endlich zu ruhen und zu rasten.Aber nur kurz war seine Rast; Napoleon befreite sichund wieder traf seines Königs Ruf den drciundstebzig-jährigcn Helden, der thatendurstig aufbrach, abermalsharte Kämpfe bestand und durch seine thatkräftigeNaschheit in der Schlacht bei Watcrloo den Verbün-deten den schweren Sieg über Napoleon rettete. Nocheinmal ergab sich die stolze Scincstadt dem deutschenSieger, der nun die Rückgabe aller aus Preußen ge-raubten Kunstschätze befahl und sänvcre Contribntionenzu gerechter Strafe über Frankreich verhing, woraufer auf seine Güter in Schlesien sich zurück begab. Dortbeschloß er sein Helrcnleben, 77 Jahre alt, noch er-lebend, daß seine Vaterstadt Rostock ihm ein ehernesDenkmal setzte. In würdevoller Einfachheit, wie desHelden Leben gewesen war, dichtete Goethe des Denk-mals gedankenschwere Inschrift:

In Harren und Krieg,

In Sturz und Sieg

Bewußt und groß!

So riß er uns

Vom Feinde los."