Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Pizzighetone, Lodi, Cremona und endlich Genua , wo erindeß eine starke Wunde empfing. Mit dem kaiser-lichen Heere und 600 Deutschen , welche Konrad be-fehligte, 1524 inPavia eingeschlossen, half er 13 Stürmebinnen vier Monaten abschlagen, bis Frundsbcrg mitdem ersehnten Hülfsheere nahte. Da war Konrad dererste, der mit seinem Volk über die Mauern des Thier-gartens brach und am Tage der berühmten Schlachtvon Pavia , am 25. Fcbr. 1525 unmittelbar mit KönigFranz und dessen Reitern stritt und zur Gefangen-nehmung des erstem wesentlich beitrug. Der Kaiserernannte ihn zum Kriegsrath und gesellte ihn Frunds-berg als Generallieutenant (Loeotcniente) zu.

Das folgende Jahr schlug Konrad vor Mantua denHerzog von Urbino, brach die Macht der italienischen Ligaund rückte unter dem kaiserl. Generalissimus Karl vonBourbon gegen Rom , wo der Papst vor dem deutschenHeere zitterte und die drohende Gefahr mit Geld abzu-wenden suchte. Dieses Geld reichte kaum hin, die An-sprüche der spanischen und italienischen Truppen zu be-friedigen, die Deutschen sollten, wie immer, leer aus-gehen und empörten sich. Frundsbcrg ward in Folgedieses Ereignisses von einem Schlagansall betroffen undübergab sein Commando dem tapfern Stellvertreter,der nun den Oberbefehl über 35 Fähnlein deutscherLandsknechte erhielt und sie Rom immer näher führte,bis es erreicht war, worauf ohne langes Säumen mit10 Fähnlein Sturm auf die Vorstadt Sän Spiritogelaufen und diese genommen wurde. Alsbald ließKonrad die andern 25 Fähnlein nachrücken, gebot diestrengste Mannszucht, verbot alles plündern bei Todes-strafe und erstürmte die Vorstadt Janiculum . An einerandern Stelle stürmte Karl von Bourbon und empfingaus Benvenuto Cellini's Rohre die Todeskugel. Er-halle dem Heere die Plünderung der heiligen Stadtzugesagt jetzt nach des Hauptführers Fall trat rath-lose Bestürzung ein. Die wälschen und spanischenKricgsobersten, hart an der Jnnenmaucr des ewigenRoms stehend, mochten die Stadt vor Plünderungschützen, des Papstes geheiligte Person nicht preisgegebensehen. Aber da trat Konrad auf und machte im Kriegs-rath geltend, daß das Heer, wenn man es jetzt vonRom zurückziehen wolle, von Rom aus im Rückenund vom Herzog von Urbino , der zum Entsatz heran-rücke, von vorn werde angegriffen werden, daß auch dieLandsknechte sich nicht ohne weiteres würde» zurück-führen lassen, sondern, hinsichtlich der Zahlung ihresrückständigen Soldes auf die Eroberung Roms ver-tröstet, in hellen Aufruhr ausbrcchcn würden, wie dasLeben der Anführer bedroht, und daß endlich deren Ge-fangennahme und Uebergang des Heeres zum Feinde zubefürchten sein würde. Wollten die Feldherren die Ver-antwortung aller dieser Möglichkeiten, wenn sie zurGewißheit geworden wären, auf sich nehmen, so möchtensie den sichern Sieg aus der Hand geben.

Diese Gründe wirkten, Konrad bekam den Ober-befehl, erstürmte mit 30 Fähnlein von allen Truppen-

gattungen oh'ne Zögern die Sirtusbrücke mitten untermFeuer der Kanonen von der Engelsburg , und diktirtedem Papst Klemcns VII. einen Vertrag, den er mitunterzeichnete. Dennoch erhielten die deutschen Truppenweder ihren Sold, noch durften sie plündern, und derAufruhr brach los und war schwer genug zu be-schwichtigen.

Noch mehr als einmal wurde der tapfere Führervon den schwürigen Deutschen , die in dem fremdenLande sich nicht zurecht fanden und stets verkürzt undbetrogen wurden, hart bedroht, und bis zur Gift-mischerei trieben die falschen Wälschen ihren Haßs sokonnte «der kleine Heß» die Truppen nicht mehr bändigen,er legte das Oberkommando nieder, und Rom erlitt einefürchterliche Plünderung. Dennoch mußte Konrad denOberbefehl wieder übernehmen; sein Volk hielt denPapst in der Engelsburg gefangen, bis alles Geld fürden rückständigen Sold herbeigeschafft war. Konradkehrte nach vielen Kämpfen und Beschwerden erst 1530nach Deutschland zurück, erhielt für seine Ansprüche diekaiserlichen Herrschaften Schälklingen, Ehingen und Bergauf Lebenszeit verpfändet, begleitete den Kaiser auf denReichstag nach Augsburg , wurde 1531 vom römischenKönig Ferdinand I. zum Kriegsrath und Feldhaupt-mann über 12,000 Landsknechte ernannt, zog gegendie Türken und hatte das Unglück, da er 1534 daskaiserliche Heer gegen den Landgrafen Philipp zu Hessen ,seinen eigentlichen Landesherrn, uud gegen den ehe-maligen Freund Herzog Ulrich von Würtemberg führte,bei Lauffcn aufs Haupt geschlagen zu werden und einetüchtige Wunde davon zu tragen.

Mit Kaiser Karl V. zog Konrad 1536 zum zweitenmale in Rom ein, wohnte später dem Felrzug gegenFrankreich bei, 1542 dem gegen die Türkei (an derSpitze von 84 Fähnlein Fußvolk), rieth zur EinnahmePesths, zog 1544 abermals mit 22 Fähnlein mit gegenFrankreich , erstürmte und nahm dort mehrere Städte,folgte nach dem Friedensschluß dem Kaiser nach Brüssel,dann auf die Reichstage nach Worms und Regensburg (1545 u. 1546), leistete bei den Unterhandlungen überdie Befreiung Philipp's zu Hessen aus der Haft desKaisers ersterem wichtige Dienste, so wie dem hessischenAdel, und so war eigentlich der «kleine Heß», wohinman nur blickte, immer thätig, stets am rechten Platz,stets ein tapferer Held, ein kluger Staatsmann. Inder Schlacht bei Mühlberg half er schlagen und siegen;1552 vertheidigte Konrad Ulm standhaft gegen Moritzvon Sachsen uud Albrecht von Brandenburg und er-oberte die Beste Helfenstcin; 1553 leistete er großeDienste in den Niederlanden und zog sich endlich nachdem Friedensschluß zu Cambresis 1559 aus seine öster-reichischen Besitzungen zurück, wo ihm nach so vielenStürmen, Zügen und Siegen noch acht Jahre lang einfriedlicher Lebensabend erblühte. Er starb auf SchloßSchälklingen und ruht in der dortigen Pfarrkirche vonseinem viclbewegten Kriegerleben aus. Seine Rüstungund sein Bildniß schmücken die Ambraser Sammlung.