Sebastian Brant.
Geb. 1458, gest. 1520.
Neben Gailer von Kaisersberg und Thomas Murnereiner der berühmtesten und kernhastesten Sittenlehrerin der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts,der seine Lehren nicht stets in den sanften Mantel mo-ralisirender Symbolik hüllte, sondern sie auch mit derGeisel der Satyre austheilte, wie es für seine Zeit-genossen passend und heilsam war.
Brant, wie er sich selbst und nicht Brand oderBrandt — schrieb, wurde zu Straßburg geboren;er machte seine Studien der Jurisprudenz und Philo-sophie in Basel, wurde dort Magister, dann Doctorbeider Rechte, und kehrte in die Heimath zurück, woer öffentlich als Lehrer auftrat. Sein Leben war keindurch außergewöhnliche Schicksale bewegtes, ja es er-scheint auffallend, daß Brant gegen die Sitte seinerZeit sich mit dem Besuch nur einer Hochschule be-gnügte; wahrscheinlich gewährten seine Verhältnisse ihmnicht die Mittel zum Besuch mehrerer Universitäten.Ob er sich selbst, ob andere ihm den deutschen Namenin den lateinischen litio verkehrten, läßt sich nicht er-örtern; als Rechtslehrer wurde Brant bald beliebt,
vertauschte wieder Straßburg mit Basel, setzte auchdort seine Vorlesungen fort und gründete sich als Phi-losoph, als Dichter und als Jurist einen geachtetenNamen, sodaß auch Kaiser Marimilian I. und andereNcichsfürsten ihn schätzten. Brant gab eine ziemlicheAnzahl Schriften in Poesie und Prosa und in latei-nischer Sprache heraus, von denen viele in ihrer as-ketischen Richtung weit eher einen Theologen, als einenJuristen vermuthen lassen, z. B. Lieder zum Preise derHeiligen; ein sapphischcr Rosenkranz Mariä; ein Lobdes Carthäuser-Ordens; eine ^Abhandlung über dieMöglichkeit der jungfräulichen Empfängniß; das Lebenmehrerer Heiligen und ähnliches. Außerdem verfaßteBrant einen Layenspiegel, einen richterlichen Klag-spiegel, eine Abhandlung gegen die Rabulisten unterden Advokaten, schrieb über Civil- und kanonischesRecht, bearbeitete den Freidank, gab eine ChronikDeutschlands, vornehmlich des Elsasses und der StadtStraßburg heraus, auch eine Friedrichs III-, die erMarimilian I. widmete; ein Buch Epigramme u. s. w.
Alle diese Zeugnisse der literarischcn Thätigkeit deS