begabten Mannes traten jedoch in den Hintergrundgegen sein berühmtes und allverbreitetes Narren-schiff, das seinen Namen mit vollem Klang derNachwelt überbrachte und immerlebciid durch die Flu-thungen der Literatur aller Zeiten fährt. Der Kreisder befreundeten Gelehrten und Künstler, der in Basel thätig war, mochte wohl anregend wirken, sodaß alsFrüchte einer und derselben streng strafenden und spöt-tisch höhnenden Richtung Brant's Narreiischiff, Mur-ner's Narrcnbeschwörung und Schclmenzunst, ErasmnsLob der Narrhcit und sicher auch Holbein's Todten-tanz (eine Lebensbilderreihe mit ebenso tiefem Ernstals satyrischem Humor aufgefaßt) zu betrachten sind.Braut selbst nennt an einer gewissen Stelle sein Gedichteinen «Narrentanz». Gleichen und gleichzeitigen Ur-sprung dürfte das Flugblatt «Grobianus Tischzucht»haben, dem sich des etwas späteren Dcdckind's Oro-llianus et Erolnarw anschloß.
Der Erfolg von Brant's Narrenschiff war ein un-geheurer; zweimal wurde es in die lateinische, dreimalin die französische, bald auch in die sasfische, nieder-ländische und englische Sprache übertragen, vielfachwurde es neu herausgegeben, erläutert und auch ver-ballhornt; Gailer von KaiserSberg wählte die einzelnenKapitel des Brant'schen Narrenschiffs zu eben so vielThematen glossirender Predigten, die zum öftern, mitden Holzschnitten des erstem Buches geziert, heraus-gegeben worden, bis Nicolaus Höniger von Königs-höfen an der Tauber den glücklichen Gedanken hatte,das Gedicht und Gailcr's erläuternde Predigten sammtden Bildern zusammenzustellen und beide vereint er-scheinen zu lassen. Vieles in dem Gedicht ist nochgültig, ja mustergültig bis auf den heutigen Tag; dieNarrheit der Doctortitel, die Büchermanie und dieBüchcrverachtung. Des Geizes Narrhcit, die der Mode,der Zuträgerei, des Eigensinnes, der Unzucht und Grob-
heit, die Narrheit ves Unglaubens und der Schrift-verachtung, vom sorgen und borgen, kurz alle nur denk-baren Fehler, Gebrechen und Schwächen im mensch-lichen Charakter fanden ihre Geißelung uns zunächstihre Verspottung; aber selbst die Verspottung wird indem Gedicht verspottet, wie denn die gute Satvre gernauch bisweilen ihren Stachel gegen sich selbst kehrtund wie auch in Holbein's Todtentanz der Maler amSchluß der Reihe sich und seine Frau gleichsam alsSchildhaltcr zur Seite des Wappens des Todes hin-stellte. Mannigfaltige Velcsenheit offenbart der Dichterin seinem Werke, und grob genug ist er nach biderbcrdeutscher Weise ebenfalls; am gröbsten da, wo er diegroben Narren geißelt. Es mußte in der That vielUnsitte und Rohhcit, Mangel an Zucht und Ehrbar-keit in der Zeit zur Herrschaft gelangt sein, daß siesolche strafende Rüge hervorrief; nur zu leicht, reißenBeispiel und übler Vorangang der höher stehendendas tiefer stehende Volk zur Nachahmung hin; wennder Vornehme seinen Hut aufbehält, da, wo es sichziemt, denselben abzunehmen, wird das Volk ganz sicherseine Mütze auch schleunigst aufbehalten. Das Allzu-viel, das Maaßlose, das in Sitte und Unsitte, im thunund treiben, im dichten und trachten zur Erscheinungkam, das ist's, was Brant als Narrheit hinstellt;aber auch die Sünde und das Laster sind ihm nurNarrheiten, der Abfall der menschlichen sündigen Naturvom göttlichen, und durch seinen Spott und Zorn suchtder Dichter nicht sowohl zu strafen, als die Wege derVerirrung zu beleuchten und die Verirrten zu bessern.
An weltlichen Ehren brachte Sebastian Brant eszur Würde eines kaiserlichen Pfalzgrafen und zumRange eines Kanzlers, Rathes und Syndicus in seinerVaterstadt, in die er sich schon 1494 von Basel wiederzurückgezogen hatte und in der er auch im 62. Jahrestarb.