Johann Veit Döll.
Geb. d. 1 . Febr. 1750, gest. d. 15. Oct. 1837.
Plastischer Künstler von bedeutendem Rufe, dem esgelang, aus geringen Anfängen sich zu hoher Aus-bildung emporzuschwingen, und der dennoch die ächtdeutsche schlichte Einfachheit des Wesens und der Er-scheinung sich bewahrte, wie sie den Meistern des Mittel-alters eigen war und wie sie unsterblich in manchemtreuen Künstlergemüthe noch heute fortlebt, währendder Genius, unerschöpflich schöpferisch thätig, vollendeteszeugt und unsterbliches vollbringt.
Döll wurde zu Suhl im damals noch königlichsächsischen Hcnneberg geboren, der Vater war dortstädtischer Braumeister, der Großvater Viehhirtc. Schonim siebenten Jahre verlor Döll den Vater, doch nahmenMutter und Großmutter sich seiner liebend an; derKnabe mußte mit seinen Geschwistern fleißig Wollespinnen, und nach vollbrachter Arbeit durfte er in denWald zu des Großvaters Heerde laufen, wo er dieLiebe zur Natur mit vollen Athemzügen in sich sog,doch fehlte in der Hirtentasche des Alten auch nichtmanch nützliches oder erbauendes Buch. Die demThüringer Wäldner angeborene Musikliebe erwachte auch
in dem kleinen Döll, er erhielt einigen Unterricht imKlavierspiel, lernte bei seinem Bruder, einem geschicktenBüchsenschäster, etwas bosstren und trat ebenfalls indas Gewerk der Büchsenschäster als Lehrling ein, indem er, die Gescllenjahre hinzugerechnet, 6 Jahre beiharter Arbeit und geringem Verdienst ausharrte. Baldauch lernte er zeichnen, etwas malen und vor allemgraviren, eine bei der in Suhl so schwunghaft be-triebenen Gewehrfabrikation unentbehrliche Kunst. Nei-gung und Fleiß ließen ihn von 1768 an gute Fort-schritte im kunstvollen Schneiden des Stahles machen,und 1772 ergriff er eine Veranlassung, sein Glück inder Fremde zu versuchen. Er reiste nach Wien, nahmArbeit in einer Goldarbeiterwerkstätte, gravirte Uhren,Dosen u. dgl., arbeitete dort 16 Monate in äußerstgedrückter Lage und verließ endlich nachgedrungen, daman ihn nicht entlassen wollte, heimlich das ihm wider-wärtig gewordene Hans. Auf der Heimreise wollte Döllin Dresden einen Muttcrbruder aufsuchen, denHof-Stcin-schneider Klctt; im Thore traf er einen militärischen Hcnne-^berger Landsmann, der ihn, unter dem Vorwand hin