Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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zu Klett zu fuhren, nach dem Quartier seines Haupt-luauucS brachte, und so sah Döll sich Plötzlich zum Sol-daten gepreßt. Als er eingekleidet war, sah ihn einanderer LandSmann, ein Grenadier, der zu seiner Be-freiung verhalf, die dem Oheim nicht ohne Muhegelang. Letzterer beschenkte Dvll mit vielen Kunst-arbeiten und Reisegeld, und so kam er wieder nachSuhl zurück. Dort unternahm er ein Graveurgeschäft incolorirt vergoldeten Tomback, und seine Stücke fandenvielen Beifall, gab aber bald, zum höheren vorschrei-tend, die bisherige Gravur auf und arbeitete vertieft,er wurde Siegel- und Stempclschneider; endlich ginger auch zum schwierigsten seiner Kunst, zum Stein-schneiden über, dessen Technik er in der kurzen Zeit von8 Tagen bei seinem Onkel in Dresden , der einer dergeachtetsten Meister in dieser Kunst war, erlernte, unddann sich mehr und mehr durch eisernen Fleiß ver-vollkommnete. Dvll bildete seinen Geschmack sowohlnach antiken Mustern, alö nach den Arbeiten einesHedlingcr und Goß, nahm vom ersteren das geniale,von letzterem die Korrektheit der Zeichnung an; siewaren seine stummen Lehrer, andere hatte er nicht; erwar in seinem lctzterwählten Kunstfach beinahe völligAutodidakt.

Neben der Kunst, welche Döll eifrig in seinerVaterstadt betrieb, bekleidete er in dieser auch noch einanderes Amt, er war seit 1774 Organist an derKrcnzkirche in Suhl und völlig Meister seines schwie-rigen Instrumentes. Im Jahre 1777 verheiratete er-sieh und im folgenden Jahre erhielt er das Prädicateines knrsächsischen Hofgraveurs. Sein Leben war fort-während das eines fleißigen, sinnenden ächt deutschenKünstlers; glücklich in Uebung seiner Kunst, im Schooßder Familie, im Umgang mit nur wenigen anserwähltenFreunden, mit denen er seine musikalischen Genüssetheilte Freunde, die er aber nach und nach alle vorsich dahinscheiden sah flössen ihm die Jahre dahin.Durch das Lesen gediegener Werke bildete er seinenGeist immer weiter aus und bereicherte seine künst-lerischen Ideen. Vom Jahr 1796 an wurde er fürdie Loos'sche Medaillenanstalt in Berlin beschäftigt undim darauf folgenden Jahre dorthin berufen, um amOrte selbst mehr fördern zn können. Döll schnitt ineinem Zeitraum von fast 20 Jahren für Loos gegenneunzig Medaillenstempcl mit Figuren und Allegorien,und oft sehr zusammengesetzte und schwierige. MancherSammler Loos'scher Medaillen besitzt treffliche Arbeitenaus Döll's Meisterhand, auf denen ein anderer Nameals der seine steht; Siegel in Stahl oder in Stein hatDöll bis zum Jahre 1809, ohne die einfachen Buch-stabensicgel, 800 geschnitten. Er erwarb sich den Rufeines der ersten Steinschneider der Neuzeit und liefertemehrere unübertreffbarc Meisterwerke, so eine Hebe, dieZeus Adler füttert, einen Antinous in Chalzcdon, einenHerkules, den ncmcischc» Löwen erdrückend, einen Pc-

rikles, einen Negersklaven, ein Brustbild Gocthc's inPyrop (letzteres in unserem Besitz). Vor allem werth-voll ist Döll's kleines Pantheon in sibirischen Ame-thyst, das in den Besitz des Herrn Senator Opitz inSuhl gelangte. Dabei war Döll ein denkender Künstlerund der Feder vollkommen mächtig. Im 18. Stückvon Meusel's Museum für Künstler und Kunstliebhabersprach er sich sehr gediegen aus über das Verhältnißder antiken Steinschneidekunst zur modernen. Berlin sagte seiner Thüringcrwaldnatur nicht auf die Dauerzn, und konnte derselben nicht zusagen; er kehrte zurschönen Heimath zurück und athmete froher und freierzwischen ihren grünen Bergen. Im Jahre 1811 wurdeDöll Organist an der Hauptkirche zn Suhl, und imOctober 1824 feierte er das Jubelfest seiner Doppel-künstlerschaft als Hofgraveur und Organist, bei welchemder König von Preußen ihm den rothen Adlerordcnverlieh. Die Berliner Akademie der Künste und mecha-nischen Wissenschaften hatte ihn bereits 1808 zum Mit-glied ernannt. Döll war jetzt bereits ein Greis von74 Jahren und die Arbeit in Stein hatte er nun auf-gegeben, allein in Stahl arbeitete er noch immer fortmit rastlosem Fleiß, denn Arbeit war seine Freude, seinGlück, und als achtzigjähriger Greis arbeitete er immernoch. Aus dieser Zeit rührt eine höchst gelungeneMedaille auf Thnssilo, den als Stammvater des HausesHohenzollern angenommenen ersten Grafen von Zollern,von Döll her.

In ruhiger Klarheit neigte sich ihm der späteLebensabend. Von acht Kindern überlebte ihn nur einSohn, der großherzoglich badensche Hofmedaillcur undMünzmcister Carl Wilhelm Döll in Carlsruhe, welcher,dem Vater gleich, in schöner Begabung als Plastikenund Musiker wirksam wurde. Zn Döll's talcntreichstenSchülern zählt sein eigner Enkel, der SteinschneiderRudolph Stadelmann in Suhl, den aber in Neapel, wo er für die Rothschild'sche Münzstätte thätig war,der Dolchstich eines Banditen, welcher, von der ge-schützten Brust abgleitend, das eine Auge traf, für diefernere Uebung seiner Kunst unfähig machte, und TnbalHöfling, königlich preußischer Hofgravenr und Senatordaselbst, welcher das Bild seines trefflichen Meisterszum Behuf einer Denkmünze in Stahl schnitt, währendder Sohn den Revers fertigte. Leider ist diese Medaillenicht erschienen. Herr Höfling modellirte auch, nebenandern schätzenswerthcn Arbeiten, Döll's Brustbild inWachs und hatte die besondere Güte, das obcnstehendeBrustbild eigens für diese Lcbensskizze seines dankbarverehrten Meisters zn zeichnen.

Dauerbar, wie ein schöner Edelstein, wird Döll'sKünstlername unter den wenigen Namen derer fort-glänzen, die sich in der so äußerst schwierigen Kunstdes Edelsteinschnitts als wahrhafte Künstler hervor-gethan haben und hervorthun.