Gustav Adolph's Fall dem wilden Andrang Pappen-hcim's und seiner Kürassire männlich die Spitze bot,sie aufhielt und zurücktrieb, unv wie dort am Loch anjenem Tage der gefeiertste Held der Liga — Tilly —mit zerschmettertem Schenkel das Schlachtfeld räumenmnßtc, so wurde hier am Tage von Lützcn der schreck-liche und gefürchtcte Held Feldmarschall Graf von Pap-pcnheim in gleicher Weise auf den Tod verwundet, dener am andern Tage zu Leipzig erlit. Als dem HerzogBernhard von den confödcrirtcn evangelischen Ständendie eroberten Bisthümer Bamberg und Würzbnrgübergeben wurden, bestellte dieser, da er an des ge-fallenen Königs Stelle das Obercommando über dasschwedische Heer zu führen hatte, seinen Bruder zumRegenten dieser Hochstifte, und Ernst verwaltete dieseobschvn kurze Zwischenrcgierung in Feindes Land mitMäßigung und ohne Grausamkeit, wenn auch nichtalles nach Wunsch der katholischen Geistlichkeiten undBürgerschaften in den eroberten Städten gehen konnte.Ernst war ein geborener Friedensfürst; so sehr er imKriege des Kriegers Pflichten erfüllte, so wenig machteder Krieg ihm Freude. Sein kundiger Blick sah undsein weiches Herz fühlte, welche Wunden der Kriegdem durch denselben zertretenen deutschen Vatcrlandcschlug. Daher ward der Präger Friedensschluß vom20. Mai 1035 von ihm mit Freuden begrüßt, erwidmete sich nun der Sorge für sein engeres Vater-nnd Heimathland mit ganzer Seele.
Herzog Ernst vermählte sich am 24. Oct. 1656mit Elisabeth Sophia, Prinzessin zu Sachsen-Altenburg,und theilte 1640 mit seinen noch lebenden BrüdcrnWilhelm und 'Albrecht wie mit Herzog Friedrich Wil-helm zu Altcnburg die väterlichen und angefallenenErblande, nahm die Portion Gotha nebst Zubehör aufseinen Antheil, schlug in-dieser heiter gelegenen Stadtseine Residenz auf, begann auf dem Grund des iuFolge der Grumbach'schcn Händel zerstörten gewaltigenFestungsbanes des Grimmenstein den prangendenFriedeustein aufzuführen und setzte schon durch denNamen dieses herrlichen Schlosses seiner Gesinnung einDenkmal.
Von nun an war Herzog Erust's Regentcnlebeneine ununterbrochene Reihe weiser Gesetzgebungen und
trefflicher Einrichtungen; er wurde der Mann und imbesten Sinne der Vater des Volkes. Was in Hin-sicht auf scharfen Blick, Energie des Handelns, Kraftdes Willens und treuer Beharrlichkeit, wie in typischervolksthümlicher Persönlichkeit dem Lande Preußen seinalter Fritz wurde, das war dem hcrzogl. Lande Sachsensein Bet-Ernst; er war allgeliebt und allgesegnct.Nächst der tüchtigen Erziehung der eigenen Kinder warsein Augenmerk auf Schule und Kirche, deren Hebungund Verbesserung vor allem gerichtet; so ließ er eineglossirte Prachtbibel drucken und vertheilte sie in dieAemter und Pfarreien; dann auf Zucht und Sitte,Recht und Ordnung, Eintracht und Friede in Politikund Kirche. Er hob sein kleines Land wieder zurBlüthe nach den verheerenden Kriegen, die über dasselbedahin gebraust waren, richtete gute Polizei ein, tilgteden Schlendrian der Behörden, verbesserte das Armen-wcsen, beförderte den Handel. Die größeren Flüsse,die das Land der Sachsen-Herzoge berührten, machteer schiffbar, ja er versuchte dieß, leider mit mißlichemErfolg, selbst mit der Werra auf der Strecke vonThemar an abwärts. Bis in das ferne Ausland, nachRußland und nach Abcssynien sogar, richtete sich HerzogErnst's frommer Blick zum Woble und zur Ausbrei-tung der christlichen Religion und Kirche. Sein Hauswar ein gesegnetes; von 18 Kindern blieben ihm7 Söhne und 2 Töchter am Leben; nach des VatersTode theilten die 7 Söhne ihre Erblande und gründetenebenso viele neue Dynastien, von denen jetzt nur nochdie Hcrzoghäuser S. Meiniugen, S. Altenburg (Hild-burghausen) und S. Coburg-Gotha fortblühcn, die inihm ihren würdigen Ahnherrn verehren. Das ernesti-nische Zeitalter, das der im 74. Lebensjahre Heim-gegangene edle Fürst über seine Lande herausführte,hatte nur Glück und Segen im Gefolge, und nochtäglich erinnern an den unvergeßlichen Herrscher dieernestinischen Bibeln, die ernestinische Kirchenordnung,die nach ihm genannten Landes- und Proceßordnungen,welche noch immer Bedeutung, Wichtigkeit und Geltunghaben. So auch war er Begründer und Mehrer derreichen Bibliotheken, Natur- und Kunstmuseen aufSchloß Friedeustein. — Das Gedächtniß des Ge-rechten bleibet im Segen.