versah Fichte immer noch eine Hauslehrerstellc, beidem Grafen Krokow anf einem Gute in der Nähevon Danzig, bis er dieselbe 1703 aufgab, nach Zürich reiste und sich mit dem Gegenstände seiner dauernd ge-hegten Zärtlichkeit verehelichte, da die Umstände ihmdiesen Schritt jetzt gestatteten. Er schrieb im Hausedes Schwiegervaters glücklich lebend, die «Beiträge zurBerichtigung der Urtheile des Publikums über diefranzösische Revolution» in 2 Bänden, und arbeitetesein eigenes philosophisches System mindestens denGrundzügen nach in Gedanken aus, mit welchen erspäter hervortrat, nachdem er an die Stelle des Philo-sophen Reinhold im Jahre 1794 nach Jena berufenworden war. Als Vorläufer sandte er seine «Abhand-lung über den Begriff der Wissenschaftslehre» voraus,und ließ dann die «Grundlage der gesummten Wissen-schaftslchre» folgen. Diese erschien ebenfalls 1794,dann brachte das Jahr 1796 und 1797 die «Rechts-lehrc», 1798 die «Sittenlehre». In dieser Zeit ver-band sich Fichte mit Niethammer zur Herausgabe einerphilosophischen Zeitschrift, für welche Fichte äußerst thä-tig war, und in der er seine «neue Darstellung derWissenschaftslehre» zuerst zur Veröffentlichung brachte.Als academischer Lehrer wirkte Fichte im allgemeinenund auch durch besondere Vorlesungen über die Be-stimmung des Gelehrten, mit großem Ernst darhin,nicht die aeademischcn Sitten, sondern die eingcriffenenacadcmischcn Unsitten zu verbessern, waS ihn in nichtganz angenehme Begegnungen mit Jena's Studenten-schaft brachte, welcher ihr rohes Gebühren mehr undhöher galt, als die Lehren der Wcltweishcit. Indeßglichen diese Reibungen sich wieder aus, da kam aberdie Verketzcrungssucht, die alte Kalenderwunde des Miß-trauens von oben her; daS Ministerium oder mit einemandern Worte: die Regierung, fand für gut, sich zuerinnern, daß in Fichte's früherer Nothwendigkeits-lehre wohl gar der heidnische Sodomsapfel des Fa-talismus stecke, am Fatalismus der Atheismus, und
an diesem der Dcmocratismus hänge, wie Kcttengelcnke,und es wurde beschlossen, ihm einen Verweis zu er-theilen. Nun fühlte sich aber der große Philosophnicht geneigt, sich von kleinen Nichtphilosophen Verweiseertheilen zu lassen, und reichte seine Entlassung ein,welche auch angenommen wurde. Fichte wandte sich1799 nach Berlin , und fand dort den Boden, wokleinlich beschränkende Beschränktheit einer Staatsbehördefürder den Denker nicht hemmte, und lohnte dem neuenVatcrlande mit der ganzen Fülle und Treue seinerLiebe, wie in gefahrvoller Zeit mit der vollsten Hin-gebung an dasselbe. Zunächst erschien 1800 von Fichtedessen Werk über die Bestimmung des Menschen, außer-dem arbeitete er mehrere kleinere Schriften aus, undhielt Vortrüge vor gebildeten und hohen Kreisen überTheile der philosophischen Wissenschaft. Einen Rufnach Erlangen , um während des Sommers dort zulehren, nahm er an, doch blieb es bei einem einzigenSommer. Die Wogen des Krieges und der Napo-leonische Druck verschlugen Fichte von Berlin nach Kö-nigsberg, von da nach Kopenhagen , endlich kehrte er,ehe noch Berlin von der französischen Besatzung ge-räumt war, dorthin zurück und hielt deutschpatriotischeReden und Vortrage, keine Gefahr scheuend. Für dieGründung der Universität zu Berlin war Fichte äußerstmitwirksam; er wurde zunächst an derselben Professor,dann nach 2 Jahren Nector, und suchte als solcher,wie in Jena, das Studententhum zur Gesittung zuführen. Fichte ließ nach und nach seine gehaltenenVortrüge, die «Reden an die Deutschen», «die That-sachen des Bewußtseins», «die Wissenschaftslehre inihrem allgemeinen Umrisse dargestellt» und: «über denBegriff des wahren Krieges», im Druck erscheinen, undmehr und mehr erhob sich sein denkender Geist zurFülle klarer Anschauungen in seiner Wissenschaft, daerlag er mitten im freudigen Schaffen und Wirken einemNervenfieber. Fichte's Philosophie machte Epoche undschuf ihm dauernden Nachruhm.