Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Johann Gottlieb Fichte.

Geb. d. 19. Mai 1782, gest. d. 29. Jan. 1814.

Fichte erwarb sich den Namen eines großen deutschenPhilosophen, und gründete sich als solcher einen be-deutenden Nachruhm. Er wurde zu Rammenau beiBischofswerde in der Oberlausitz geboren. Da er glän-zende Gaben des Geistes, aber nicht ausreichende Mittelzu seiner Ausbildung besaß, so nahm ein Freiherrvon Miltitz sich des Knaben an, und sorgte für dessenErziehung. Fichte kam zu einem Pfarrer in Niederaubei Meißen in Privatunterweisung und dann nachSchulpforte. Darauf besuchte er die Hochschulen Jenaund Leipzig vom Jahre 1780 an, und übernahm nachvollendeter akademischer Laufbahn vom Jahre 1784mehrere Hauslehrerstellen. Naturgemäß konnten dieseStellen einem selbstdenkenden Geist, wie dem seinen,nicht zusagen, doch studirte er eifrig fort, warf sichmit Vorliebe auf das Studium der Philosophie, undgewann die Ueberzeugung, daß die Grundlage derphilosophischen Wissenschaft, die Bestimmungs- oderNothwendigkeitslehre sei. Durch diese Richtung sperrtesich Fichte eine Anstellung im sächsischen Lande, unddie Noth trat an ihn heran mit ihren bittern Kämpfen.

Er blieb Hauslehrer, und kam 1788 als solcher nachZürich, wo er seine nachhcrige Frau, eine Nichte Klop-stocks, kennen und lieben lernte. Kant zog Fichte'sphilosophischen Sinn vorzugsweise an; um sich dessenStudium ganz zu widmen, ging Fichte wieder nachLeipzig und half sich mit Unterrichtsstunden durch, einerbessern Zukunft entgegen hoffend. Aber diese Zukunftsäumte, den Vater seiner Braut traf ein empfindlicher Ver-lust, und er versagte nun ein Ehebündniß, an das sich keineHoffnung künftigen genügenden Auskommens knüpfte.

Fichte nahm 1701 eine Hauslehrerstelle in War-schau an, aber als er an Ort und Stelle kam, miß-fiel ihm die künftige Frau Principalin so entschieden,wie er ihr, und er trat daher schleunig seine Rückreisean. Auf dem Wege berührte er auch Königsberg, ver-weilte dort und schrieb seine »Kritik aller Offenbarun-gen», welche Schrift vieles Aufsehen machte, für eineArbeit Kants gehalten wurde, und seines VerfassersRuhm begründete. Kant selbst machte Fichte demPublikum bekannt, zeichnete ihn aus, und Fichte wurdenun dessen erster Jünger und Nachfolger. Unterdeß