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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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hold, als er, abermals mit Rußland und England ver-bunden, gegen Frankreich zog. Die Schlacht bei Austerlitz am 12. Der. 1805 demüthigte Rußland , die Einnahmeund Besetzung Wiens durch die Franzosen Oesterreich,und der Preßburger Friede machte am 0. August 1806dem mehr als tausendjährige» heiligen römischen Kaiser-reiche mit einem Fedcrzuge ein Ende. Franz legte dieKrone Karl's des Großen auf immer ab und nahmden Titel eines Kaisers von Oesterreich an, zu welchemer sich schon erklärt hatte, als Frankreich sich in Na-poleon Bonaparte selbst einen Kaiser gab, welcher Ehr-geiz und Muth genug besaß, die Reiche, über welche einstKarl des Großen und Karl V. Scepter geboten, fürsich zu gewinnen. In den Fcldzügen des Kaisers derFranzosen 1806 und 1807 gegen Preußen und Ruß-land hielt Kaiser Franz, nun Franz I. von Oester-reich sich streng neutral, bis im Jahre 1809 poli-tische Verhältnisse ihn bestimmten, Frankreich abermalsden Krieg zu erklären. Leider wurde auch dieses malsein Vertrauen auf das Glück der Waffen getäuscht,er sah sich bald genug zu einem abermaligen Friedengenöthigt und verzichtete nun auf fernere Erfolgegegen die Waffen Napoleon's . Der Macht der Ver-hältnisse sich fügend gab er sogar dem unwiderstehlichenGegner 1810 die Hand der eignen Tochter Marie Luise ,und schloß, da er in demselben Jahre seine zweite Ge-mahlin durch den Tod verlor, den Bund der drittenEhe mit Marie Luise Beatrir, Prinzessin von Modena und Breisgau, Tochter seines verstorbenen Oheims Erz-herzog Ferinand-

Die ruhelose Eroberungssucht des kaiserlichen Ei-dams wußte 1812 den Kaiser von Oesterreich inDresden zu überreden, letzterem ein Hülsshecr von50,000 Plann gegen Rußland zu stellen, allein dieunheilvollen Ereignisse, die das Schicksal über Napoleon und sein Heer verhängte, wie die lauten Forderungender Völker ließen auch Oesterreich dem großen Bundebeitrcten, der die Macht des Eroberers brach. KaiserFranz wohnte den Befreiungskriegen von 1815 und1814 in Person bei, ohne als Feldherr-zu befehligen,kniete nach der Schlacht von Leipzig dankend mit aufdem Monarchenhügel, willigte in die Verbannung seinesSchwiegersohnes nach Elba , zog 1815 wieder mit zuFelde und mit in Paris ein und gewann jetzt auf un-blutigem Wege, gleich seinem Ahnherrn Maximilian I. ,mehr für Oesterreich als es jemals besessen. Zumdritten male verwittwet, ging Kaiser Franz eine vierteVerbindung ein mit Charlotte, Prinzessin von Bayern ,König Maximilians Tochter, geschiedenen Königin vonWürtemberg.

Franz I. regierte mild und gütig, gerecht und weise,liebte sein Volk und wurde von ihm geliebt; der stetenNeigung der Völkerschaften Italiens zum Aufruhr, dersich in den zwanziger Jahren durch den Carbonarismusoffenbarte, setzte er einen festen Damm entgegen, indemer das Königreich Neapel militärisch besetzen ließ unddie Anfruhrgelüste unterdrückte. So berührten auch diewestlichen Stürme des Jahres 1850 Oesterreich kaum.Eine Brustentzündung endete schnell das Leben Franz I. und rief großen und allgemeinen Schmerz um ihn hervor.