Braunschweig -Bevcrn, ohne Liebe, ja ohne Neigung,erhielt Stadt und Schloß Rhcinsberg und die Graf-schaft Nuppin von seinem Vater zum Eigenthum undlebte nun auf Schloß Nheinsbcrg der Kunst und denWissenschaften im Umgang mit geistreichen Männern,blieb auch fortan mit seinem Vater in einem gutenund herzlichen Einvcrständniß. Mit dem 31. Mai 1740begann Friedrichs ruhmreiches Leben als Regent, alsKönig, zu groß, um auch nur andeutend in dem engenNahmen weniger Spalten würdig geschildert werdenzu können. König Friedrich II. sand ein trefflich armir-tes Heer und einen vollen Schatz als väterliches Erb-theil, er konnte im Kriegsfall eine Armee von 70,000Mann aufbieten; so zwang er, ohne dieses ganzenHeeres zu bedürfen, den Bischof von Lüttich zur Sühneeines gegen ihn verübten Unrechts. Nach dem TodeKaiser Karl IV. machte Friedrich II. die Ansprüche aufmehrere schlesische Fürstenthümer und Herrschaften gel-tend, welche früher an das Haus Brandenburg aufden Grund von Erbverträgen gefallen, vom Kaiser
aber als erledigte Lehen eingezogen worden waren,wobei sich der König gegen Maria Theresia , die Kö-nigin von Ungarn und nachherige Kaiserin, zum Bun-desgenossen gegen ihre Feinde anbot. Sie aber wies alleAnträge zurück, und Friedrich II. begann 1741 denersten schlesische» Krieg; den zweiten begann er 1744,welcher mit dem Friedensschlüsse vom 25. Dec. 1745
günstig für den Preußenkönig endigte. Es folgten
zehn Jahre einer friedliche» Regierung, die dem Wohle
des Landes, der manuichsaltigcn Verbesserung durchden überall hin mit Hellem Auge selbst blickenden Kö-nig gewidmet waren. Das Ministerrcgiment war Fried-rich II. Sache nicht, er war Selbstherrscher imvollem Sinne des Wortes, aber ein tüchtiger und edler.Vor und nach dem dritten schlesischen (siebenjährigen)Kriege, den er 1756 begann und nach Kämpfen,Schlachten, Niederlagen und Siegen, die unvergeßlich
bleiben, wie die Namen der Helden, die des KönigsSchlachten schlugen und seine Siege erfechten halfen,1653 zu Hubertusburg schloß, hob Friedrich den Wohl-stand seines Landes, bebaute verheerte Aecker, ließWüsteneien urbar machen, vermehrte das Heer, wieden Schatz, als ein allbewnndcrter Held des Krieges,indem die Macht des halben Europa gegen ihn inWaffen gestanden hatte, und nur sein unerschütterlicherHcldenmuth und Heldcnsinn ihn aus drohenden Todes-gefahren gerettet — wie er als allbewunderter Helddes Friedens Künste und Wissenschaften, Verkehr undGewerbe, Handel und Wandel zur Blüthe und zumerfreulichsten Gedeihen hob. — Erziehung und Jugend-neigung hatten Friedrichs Sinn der französischen Sprachezugelenkt; er fand sich von der deutschen Literatur seinerZeit nicht angezogen, nicht befriedigt; er sprach gernund schrieb fast nur französisch, gab dem französischenGeschmack den Vorzug, und lebte sich in dessen ange-nehme Formen ein. Die zahlreiche» Werke, welcheFriedrich II. ausarbeitete und hinterließ, sind glänzendeBeweise seiner Bildung, seines Geistreichthums undallumfassender Kenntniß. Gern umgab er sich mitberühmten und geistreichen Männern, und war impersönlichen Umgang voll Witz, voll Leben, und vollLiebenswürdigkeit. Voltaire, den Friedrich II. an sichgezogen und mit Wohlthaten überhäufte, lohnte ihmmit Undank, aber im Herzen des deutschen Volkes lebtdas Heldenbild des alten Fritz noch dauernder, alsauch die herrlichsten Monumente es verewigen. Solange es ein Preußen und eine deutsche Geschichte giebt,wird Friedrichs Name »»verdunkelt strahlen, gleich demreinen Sternenbilde „Friedrichs Ehre", in welchemnicht Schmeichelei, sondern verdiente Huldigung desgroßen und unvergeßlichen Königs Namen in das goldeneBuch des Firmamentes schrieb, dahin in guten undschlimmen Zeiten der fromme Ausblick seiner Nachfolger-auf Preußens Königsthron sich vertrauend richten mag.