Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Joseph Haydn.

Geb. d. .31. März 1731, gest. d. Mai 1809.

Der liebenswürdigste, volksthümlichste und neben Mozartder zartfühlendste aller deutschen Tondichter, der ausdem engen und beschränkten Lebenskreise eines Dorf-handwerkers und aus einer Ueberzahl von Kinderneiner und derselben Familie heraustrat, um eine Bahnvoll Ruhm zu wandeln und auf dieser die Höhe auchder irdischen Unsterblichkeit zu erreichen.

Haydn wurde in Rohr au an der Leitha, unfernder ungarischen Grenze geboren, zeigte früh musikalischeAnlage und wurde von einem Verwandten, welcherSchulmeister im Städtchen Haimburg war, neben demgewöhnlichen Unterricht der Knabenschule auch in derMusik unterwiesen. Dort fand ihn bei einem Besucheder Hofeapellmcister Reutter aus Wien, welcher Knabenfür das Singechor der Stephanskirche suchte; er ent-deckte Anlage zum singen in dem achtjährigen JosephHaydn und nahm ihn mit sich nach Wien. Hier brachteguter musikalischer Unterricht den jungen Sänger baldweiter, Gesang und Instrumente wurden fortgeübt,Komposition auch schon, doch ohne Glück versucht, bismit dem 16. Jahre Haydn's Stimme brach und er

aus dem Singechor entlasten werden mußte. Die rauheSchule des Lebens that sich ihm jetzt auf; kümmerlichmußte der Arme sein Leben eine Zeitlang fristen, inuntergeordneten Orchestern untergeordnete Stellung ein-nehmen, bei Ständchen mitwirken oder mit andernarmen Straßenmusikanten von Haus zu HauS ziehen.In Joseph Haydn aber lebte eine Künstlerscelc, hei-teres Gemüth, natürlicher Frohsinn und treuer Eiferdieß förderte ihn und brachte ihn weiter; theoretischesStudium Mattheson'S und Furens, praktisches der ge-diegenen Werke eines Emanuel Bach u. A. hielten ihnfest auf der betretenen Bahn, die anfangs nicht ohneDornen war.

Haydn wohnte in dieser Erstlingperiode bei einemTheaterfriscur, Namens Kellner, dessen beiden Töchterner Klavierunterricht ertheilte; die jüngere dieser Schwesternliebte er zärtlich, aber Härte der Aeltern oder einGelübde nöthigten dieses Mädchen den Schleier zunehmen, was für Haydn die Quelle einer schwerenPrüfung wurde, denn später heirathete er die ungeliebteältere Schwester - aus Dankbarkeit, wie man sagt,