und die Ehe blieb ohne Liebe, ohne Kinder, ohneGlück, bis der Tod der Frau sie spät genug, erst1800 — lös'tc.
Durch Ncnkter wurde Haydn dem liebenswürdigenDichter Metastaflo bekannt, der ihn seinem Freund,dem berühmten Mästro Porpora , dem «Patriarchender Melodiken», empfahl. Porpora , als Künstler groß,aber herrisch und bequem, bediente sich Hapdn's, indemer sich von ihm bedienen ließ, und brauchte ihn beiseinen Unterrichtsstunden junger adeliger Damen zurElavierbegleitung, die nicht immer ohne wälsche Schimpf-reden und harte Worte ablief, gleichwohl war Por-pora's Unterricht und Lehrmethode für Haydn bildendund fördernd! auch kam letzterer durch ihn in höhereKreise. Der Meister musieirte öfter bei dem Günstling derKaiserin Maria Theresia , Prinz Joseph Hollandinuszu S. Hildburghansen, k. k. Generalfeldmarschall, mitGluck, Wagenseil und andern Heroen der Tonkunst, undHaydn mußte accvmpagniren. In dieser Periode ver-suchte er sich auch in mancherlei Kompositionen, welchevielfach Beifall fanden, und ihm neben den Unterrichts-stunden, die er selbst ertheilte, einigen Unterhalt ver-schafften. Eine satprischc Oper: «der krumme Teufel»,brachte ihm 24 Dukaten ein, in deren Besitz er sichein Crösns dünkte.
So gingen in einem halb beschränkten, halb ge-nialen Künstlerleben die Jahre hin; auch ein Aemtchenerhielt Haydn , das ihm jährlich 60 Gulden einbrachte,er wurde Vorspieler bei den barmherzigen Brüdern,und mit 27 Jahren Musikdirektor des Grafen Morizinmit 200 Gulden Gehalt. Für diesen seinen, Musikim hohen Grade schätzenden Gebieter schrieb Haydn seine erste Symphonie in k). Leider führten die zer-rütteten Vcrmögensverhältnisse des Grafen schon nacheinem Jahre durch Auflösung von dessen Capelle eineTrennung herbei, doch empfahl der Graf seinen begabtenSchützling dem Fürsten Esterhazy, der ihn 1760 alsKapellmeister mit 400 Gulden Gehalt anstellte. Jetztentwickelte der Künstler seine großartige Thätigkeit,gründete seinen Weltruhm. Sein Gebieter wurde ihmFreund und Wohlthäter, stets mußte Haydn ihn be-gleiten. Die schöne Jahreszeit wurde immer zu Eisen-stadt in Ungarn oder auf dem Stammsitz deS Fürsten
zugebracht, und Haydn , welcher Kirchen-Concert undOpernmuflk zu leiten hatte, bewegte sich unbeirrt durchandere voll schöpferischer Kraft in dem Himmel derTönewclt. In Fülle entströmte» seinem reichen GeniusMessen und Kantaten, Oratorien und Concertstücke,Symphonien und Opern, Trio's und Omartett's.
Dank und verehrende Liebe hielten Haydn durchdreißig Jahre im Dienst Fürst Esterhazy's, bis dessen1796 erfolgender Tod dieses glückliche Verhältniß löste.Jetzt folgte der Künstler dem wiederholt an ihn er-gehenden Ruf des berühmten deutschen ViolinspielersSalomon nach Epgland, besuchte dieses Land von 1790bis 1792, dann wieder 1794 bis 1796, und fandalle die gerechte Anerkennung, allen Ruhm und alleEhren, mit denen das freie Volk der Britten bereit-willig auch das ausländische Talent feiert und zu wür-digen versteht. Reicher Lohn an Ehre wie an Geldströmte dem deutschen Tönemeister zu, von England ausbreitete erst recht sein Ruhm über Deutschland , überEuropa die mächtigen Schwingen. In England ent-stand die Idee zu Haydn's Schöpfung, welche, inWien ausgeführt, durch die Welt ging, wie ein Heroldihres Schöpfers; mit ebenso viel Glück componirteHaydn die Jahreszeiten. Der berühmte van Swietenleistete hülfreiche Hand bei den Texten.
Hochgefeiert, gekrönt von Glück und Ehre, undhochbeglückt durch sich selbst, durch die unsterblichenLeistungen seiner Kunst trat Haydn in das höhereAlter. Wenige hatten in der Musik so viel geleistetwie er, sowohl nach Zähl, als nach Gehalt; einchristlich frommer, ein menschlich edler und ein kindlichreiner Geist durchwehte seine Werke, der Hauch deskünstlerischen Genius belebte und adelte sie. In seinemmelodieusen Liede: «Gott erhalte Franz den Kaiser!»schuf Haydn dem Lande Oesterreich ein Nationallied;die Anzahl seiner Kompositionen beläuft sich über1340; alle voll Maaß und Schönheit, voll Einfachheitund Klarheit, voll Anmuth, Innigkeit und Tiefe.
Haydn endete im 78. Lebensjahre nach den zahl-reichsten Beweisen allgemeiner Anerkennung und Ver-ehrung; seine Hülle ruht in Eisenstadt . Unverwelklichblüht der Kranz seines Nachruhms.