Spitze der fränkischen Kreistruppcn als Hauptmannund Feldobrister einige male mit gegen die Türken.Er zeichnete sich auf einem dieser Züge vornehmlichdadurch aus, daß er durch seine persönliche Tapferkeitden Herzog Moritz (Lief. 21) aus drohender Lebens-gefahr erretten half.
Georg Ernst vermählte sich 1543 mit Elisabeth,Prinzessin zu Braunschweig.Lüneburg , nachdem ihm imJanuar d. I. sein Vater die Mitrcgentschaft übergeben,während zugleich Georg Ernst's jüngster überlebenderBruder (drei ältere und ein jüngerer waren gestorben,und Christoph, der drittgeborcne, war geistlich) aufdie Regierung verzichtete.
Während Fürst Wilhelm mit aller frommen Treueau der alten Kirche hing, sodaß man ihn sogar 1521beschuldigte, er habe Luther heimlich aufheben und inein Gefängniß schleppen lassen, wogegen er sich abermännlich vertheidigte, und während ein älterer Sohn,Johann IV., die Würde eines Fürstabts zu Fulda be-kleidete, war Georg Ernst's Gemüth der Reformationzugclcnkt worden, und er bekannte sich ein Jahr nachseiner Vermählung öffentlich zur augsburgischen Kon-fession. Diese schon vorher auch in seinem Lande ein-zuführen, ohne doch die Gefühle seines strenggläubigenVaters zu verletzen, berief Georg Ernst den Witten -bergischen Professor, Dr. Johann Förster, nach Schlcu-singen, ernannte denselben zum Obcrpfarrcr, wie zumVisitatvr, und übertrug ihm das wichtige Geschäft derReformation, während Fürst Wilhelm erklärte, daß ermit seinem Hofe katholisch bleiben wolle. Späternahm aber auch der alte Herr das evangelische Be-kenntniß an, und zeigte sich von einer bewunderns-würdigen Standhaftigkcit in der neugewonnenen Ueber-zeugung dadurch, daß er dem Kaiser Carl V- gegen-über die Annahme des Interims, die ihm zugemuthetwurde, in einer zwar bescheidenen, aber doch entschie-denen Vorstellung ablehnte, an welcher wohl der Sohnnicht ohne Antheil geblieben sein mag. Dieß geschah1549, während 2 Jahre früher Fürst Georg Ernstdes Kaisers heftigen Zorn gegen die halb hennebcrgische,halb hessische Stadt Schmalkaldcn, die sich durch diein ihr gehaltenen vielen Konvente der SchmalkaldischcnBundesverwandtcn und der reformircnden Theologendie höchste Ungnade zugezogen hatte — durch einendemüthig fürbittcnden Fußfall entwaffnet und die Stadtgerettet hatte. Fürst Georg Ernst richtete ein Kon-sistorium ein, gründete daS Schleusinger Gymnasiummit zahlreichen Freitischen im dortigen Augustincrkloster,welches, gleich den übrigen zahlreichen Klöstern in dergcfürsteten Grafschaft, aufgehoben wurde, verwendete dieStifts- und Klöstcreinkünftc auf Kirchen und Schulen,verwandelte den Wallfahrtort Grimmenthal in einHospital, das noch heute fortbesteht, und wurde so derwohlthätige Reformator eines nicht unbedeutenden Lan-des, das sich durch den Anfall der Herrschaft Römhild,deren Grafcngeschlccht erlosch, 1549 wesentlich ver-größerte. Künste und Handwerke suchte Fürst GeorgErnst nicht minder zu heben, wie den Bergbau beiIlmenau und Suhl , und die Stahlwaarcn- und Massen-
fabrikation der Städte Suhl und Schmalkalden . Zahl-reiche Verträge mit Hessen, Sachsen und Würzburg regelten das politische Verhältniß der Henneberger Landefür den Fall des Aussterbens des Stammes, der mehrund mehr zu erfolgen drohte. Fürst Wilhelm, seitdem 4. Juli 1554 Witwer, hatte in einem Kranzevon sieben lebenden blühenden Kindern gestanden —vier starben in der Kindheit, er hatte unklug von fünfSöhnen drei dem geistlichen Stande geweiht und denkräftigsten Sproß, Wolfgang, in einen unnützen Kriegunter Karl V. ziehen lassen. Wolfgang fiel 1557 vorChierasco. Der fromme Prälat Johann, FürstabtFulda's , starb 1541; eine Tochter, Margarethe,, anGraf Johann zu Sain und Wittgenstein vermählt,starb 1546 zu Berleburg . Auch Katharina, die hoch-herzige Henncbergerin, vermählte Gräfin von Schwarz-burg , und Witwe seit 1558, starb vor ihrem Vater.Der Sohn Christoph, ein feuriger Herr, der demStamme neue Sprossen zu geben vollbefähigt war,mußte gegen Willen und Neigung seine Kraft im geist-lichen Stande vertrocknen lassen; er bereitete dem Vatervieles Herzeleid, und starb 1548. Nur Georg Ernst und Poppo, wie die Töchter Walburgis und Elisabeth,überlebten den Vater, erstere als Gräfin zu Gleichen,Herrin zu Krannichfeld, die letztere als Gräfin zu Solms .Poppo entsagte dem geistlichen Stande und vermähltesich 1546 mit Prinzessin Elisabeth von Brandenburg und nach deren 1558 erfolgten, Tode noch einmal mitSophia, Prinzessin von Braunschwcig. Diese zwei-malige Vermählung Fürst Pvppo's, blieb erfolg- weilerbenlos; er selbst starb 1574. Die erste GemahlinFürst Georg Ernst's gebar ihm nur einen Sohn, dergleich nach der Geburt starb; sie selbst schied 1566 ausdem Lebe». Eine nochmalige Vermählung des Wit-wers mit Elisabeth, Prinzessin zu Würtcmberg, blieb,zumal die Fürstin kränklich war, ebenfalls ohne Kinder-segen. Das Schicksal eilte mit dem Hause Hennebergzu Ende. Fürst Wilhelm starb 1559 in einem Altervon 81 Jahren, der Sohn Georg erreichte ein Lebens-ziel von 72 Jahren; er war der letzte seines Stammesund Hauses, das mit den angesehensten deutschen Fürsten-häusern verwandt war. Eine wunderbare Fügung hatteden betagten Fürsten von seiner Residenz in das DorfHcnneberg zu ungünstiger Wintcrzcit geführt, überwelchem die umfangreichen Trümmer der Stammburgdes alten Grafcngeschlechts ruhen. Längst war dieseStammburg von den Trägern ihres Namens ver-lassen — kaum weiß man, welche von den Vorfahrensie bewohnt. Vielleicht zog eine ernste innere Mahnungden fürstlichen Greis noch einmal hinauf zur Ahncn-wicge — Schauer erfaßten ihn — und er endete imHause eines ritterlichen Vasallen im Dorfe Henneberg.Groß war um den milden und geliebten Regenten dieTrauer, höchst feierlich sein Lelchenbegäugniß. Er ruhtin der Schleusinger Gruftkapclle bei den Ahnen, Ge-schwistern und der ersten Gemahlin, seine Witwe ver-heiratete sich wieder. Georg Ernst blieb im Lande,das nun zunächst an Sachsen überging, lange und nochbis heute unvergessen.