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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Aufschwung wieder der siebenjährige Krieg, der, wie jederKrieg, Künste und Wissenschaften in Bande schlug, undHeyne gerietst aufs neue in drangvolle und kummer-volle Lagen des Lebens. Heyne mußte noch einmalHofmeister werden; er ward es auf Rabcners Empfeh-lung bei dem späteren Präsidenten von Broitzem imJahre 1757. Seine Nebcnstunden füllte er nun mitder Bearbeitung seiner ^cta pullliaa aus, welche in5 Bänden von 1757 bis 1760 erschienen.

Im Jahre 1759 begleitete Heyne den jungen vonBroitzem, seinen Zögling, auf die Hochschule zu Witten -bcrg, und stand, als sein Erziehungsgcschäft beendetwar, abermals hülflos da, denn der Krieg verschloßihm die Pforten fernerer Thätigkeit. Endlich zerrissendie Wolkenschleier, und die Sonne seines Glückes, sei-nes Ruhmes strahlte den trefflichen Gelehrten dauerndund lange an. Im Februar 1765 wurde Heyne nachGöttingcn als Professor der Beredsamkeit berufen, er-langte bald nach seiner Anstellung die erste Stelle ander dortigen Bibliothek, wurde bleibender Secretair derGvttingcr Societät der Wissenschaften, Hofrath undgeheimer Justizrath.

Zahlreich wurden Heyne's Vorlesungen besucht, siebildeten einen strahlenden Mittelpunkt im Ruhmeskranzeder Loorgia.-lugusta. Philologie und klassisches Alter-thum lehrte Heyne mit bewunderungswerthem geistigemerfassen und durchdrungen, nicht im Styl pedantischerGclchrtenzopfthümker, die auch noch heute nicht überden Geschichtstabellenkram, die Jota- und Komma-grübelei und das Feld von Troja hinauskommen. Heynestand wie ein Priester des Alterthums an reinen Al-tären und indem er das philologische Seminar leitete,bildete er Lehrer für ganz Deutschland aus, von denenviele, ihm treulich nachstrebend und nacheifernd, denKern der Classtcität sich gewannen, und die Schaleden traurigen Epigonen nachließen. Heyne gab wieder-holt den Virgil heraus, und arbeitete 18 Jahre aneiner Ausgabe des Homer, deren Vollendung er nichterlebte. Alle seine zahlreichen «endemischen und son-stigen Schriften sind ebensovicle Zeugnisse seines glän-zenden Geistes, seiner allumfassenden Kenntnisse undder Gediegenheit seines Wissens. Ein Schlagfluß en-dete das Leben des thätigen, 82jährigen Greises, des-sen Ruhm dauernd begründet bleibt.

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