Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Ludwig Heinrich Christoph Hölty.

Geb. d. 21. Dez. 1748. gest. d. 1 . Sept. 1776.

Hölty's Name ist noch immer vielen ein reiner, lieb-licher Klang, der sich harmonisch in sanfte elegische Ge-müthsstimmnng einwebt, deren vorzüglichster Trägerund Erreger dieser Dichter war, daher auch Lieblings-sänger der deutschen Frauen- und Jungfrauenwelt, diedurch zarte Schwärmerei so leicht zu gewinnen und hin-zureißen ist, die das sanfte liebt, zumal wenn es ausinnerster Empfindung hervorbricht, nicht ungekünstelt ist.

Der Hannoversche Ort Mariensee ward Hölty'sGeburtsort; der Vater lebte dort als Seelsorger, undpflegte mit Liebe i>es Sohnes Jugend, der früh sichentwickelnde Geisteskräfte zeigte, aber auch früh dieSchmerzen des Lebens kostete. Der Verlust der geliebtenMutter in seinem neunten Jahre erschütterte ihn tief;eine bösartige Blatternkrankheit, welche ihn der Gefahrdes erblindens nahe brachte, legte den Grund zu nach-haltigem Siechthum, und beides weckte in ihm jenemelancholische Stimmung, die seine Dichtungen durch-weht, dabei aber lernte er mit vielem Fleiße, undmachte auf der Schule zu Zelle, wohin sein Vater ihnim 17. Lebensjahre sandte, die besten Fortschritte in

ältern und neuern Sprachen, so daß er wohl vorbe-reitet 1769 die Hochschule Göttingcn beziehen konnte.Er wollte Theologie studircn, eine Wissenschaft, diedem schon in der Jugend genährten Ernst am meistenzusagte, denn von je war Hölty ein Freund stillerEinsamkeit, ländlicher Natur, melancholischer Dorfkirch-höfe, und dabei war er von jener Sanftmuth undOpferfähigkeit des Charakters, die einem Landgeistlichenso wohl anstehen. Durch wahrhaft frommen und re-ligiösen Sinn war des Jünglings Gemüth über diemannichsaltigcn Entbehrungen gehoben, die das Lebenihm auferlegte. Der unbemittelte Vater vermochte ihmwenig Unterstützung zu bieten, Hölty mußte sich dentheilweisen Unterhalt erst durch Stuudengeben verdienen.Er hatte schon einige Jahre zu Göttingcn zugebracht,als er den Hcrzcnsbund mit den poetischen Freundenschloß, der unter dem Namen des Hainbundes bekanntist, und zu welchem Miller, Boie, Voß, Overbeck,Cramer, Leisewitz, Bürger und die beiden GrafenStolberg gehörten. Jedenfalls war von allen Höltyder stillste und sinnigste, und nahm die poetischen An-