Als im Jahre 1558, 2. Februar, die durch deuKaiser hingezögerte Inauguration der Hochschule Jenaendlich erfolgen konnte, feierte der Herzog diese ineigener Person durch eine lateinische Rede. Noch indemselben Jahre schloß Johann Friedrich ein neuesEheband mit Elisabeth von der Pfalz , die der guteStern und Engel seines Lebens wurde.
In diese Zeit fällt schon die Befreundung desHerzogs mit dem geistvollen fränkischen Edeln Wilhelmvon Grumbach , der bald als tapferer Parteigänger ander Spitze geworbener Heerhaufen stand, bald als klugerund einstchtvoller Staatsmann in diplomatischen Sen-dungen sich gebrauchen ließ und nicht ohne Antheil beider neuen Verbindung des Herzogs geblieben war.Daher war es kein Wunder, daß Grumbach, als er sichund die seinen auf eine schändliche und widerrechtlicheWeise von seinen Gütern gedrängt und mißhandelt sah,sich dahin Schutz suchend wandte, wo er auf ein dank-bares Gemüth rechnen konnte, und indem der Herzogein reiches und edles Gemüth besaß, das mehr in ihmvorwaltete, als der berechnende Verstand, schlug ihmdas Schicksal unsichtbar das dunkelste Netz über demHaupt zusammen. Au Kraft zum entschiedenen Han-deln fehlte es jedoch dem Herzog keineswegs; diesebewies er unter andern in theologischer Angelegenheit,indem er eine Schaar widersetzlicher und streitsüchtigerGeistlicher entfernte, und noch ungleich stärker trat dieseentschiedene Kraft hervor, als es galt, sich ehrenhaft,charakterfest und srcundestreu zu erweisen.
Nach dem im 28. Jahre erfolgten Tode des jüngstenBruders, der als Studirendcr zu Jena 1565 starb,theilten die Herzoge Johann Friedrich und JohannWilhelm ihre Lande; der letztere übernahm den wci-marischcn, der erstere den coburgischen Antheil, zuwelchem damals wie in der Neuzeit wiederum auchGotha mit reichen Aemtern gehörte, und in letztererStadt schlug nun Johann Friedrich, in Weimar JohannWilhelm die Residenz auf.
In dieser Zeit war Wilhelm von Grumbach erstdes Bischofmordes beschuldigt, dann durch das äußerstrechtlose Verfahren gegen ihn zum Landfriedcnsbruchgenöthigt worden und suchte dann, ein geächteter, beiHerzog Johann Friedrich Schutz und Fürsprache. Auchder Herzog empfand in tiefinnerster Seele den Schmerzwiderrechtlicher Verdrängung von Land und Erbe, vonangeborenen Würden und von hoher Stellung imRathe der Kürer des Neichsobcrhauptes; auch er er-sehnte glühend, wieder zu erlangen, was ohne seineSchuld verloren war. NcvolutionSkeime schlagen inallen Zeiten Wurzeln, streben stets zum gedeihlichenWachsthum; sie abzuknicken zu rechter Zeit ist die besteWeisheit und Kunst der Machthaber, wollen sie andersnicht selbst abgeknickt werden. Zu Herzog Johann
Friedrich's Zeit wogte stiller Kampf der Fürstenmachtgegen die Kaisermacht, der Adelsmacht gegen die Fürsten-macht, gern verbanden sich zwei Mächte so oder sogegen die dritte, um sie zum unterliegen zu bringen.
Die Staatsweisheit jener Zeit sprach durch Grum-bach's Mund zum Herzog, daß der Kurhut ihm, demgeborenen Kurfürsten, gehöre, wieder gehören könneund werde; die geheime Weisheit zeigte prophetischeGesichte, günstiger Gestirne Stand und Einfluß, undJohann Friedrich vertraute seinem Sterne, wie hundertJahre später Wallcnstein dem seinen. Er wollte diegroße, oft zum Glück führende Lehre üben, die in neuesterZeit eine Kaiserkrone erwerben ließ: harren und dauren.
Der Blitz der Reichsacht flammte; Gotha und dessenBurg Grimmcnstein wurden befestigt und auf Jahremit Vorräthen aller Art versehen, die das reiche Landin Fülle bot. Tapferen Kriegsmännern, einem Stein,Manbelslohe, Brandcnstein u. a. wurde die Verthei-digung anvertraut, kluge Räthe: Grumbach, ChristianBrück , der Kanzler des Herzogs, Baumgarten, standendem Herzog zur Seite. Der mit Vollstreckung derNcichsacht beauftragte Kurfürst August zu Sachsen nahtemit dem Belagerungshccr und schloß Stadt und Burgein. Lange dauerten die Stürme, wie die Vertheidi-gung; 'Aufruhr und Verrath, nicht der Sieg desFeindes, übergaben die Schlüssel. Der Herzog undseine Familie, Grumbach und seine Genossen wurdengefangen; noch im Kerker tröstete mit erhebender eigen-händiger Zuschrift der edle Herzog den greisen Schütz-ling und Freund über die ihm von einem fanatischenPfaffen zu theil gewordene Verweigerung des heiligenAbendmahls. Schrecklich war die Rache an Grumbachund Stein und andern. Der Herzog wurde gefangen,nach Wien abgeführt, die Herzogin begab sich mit ihrenzarten Söhnen auf Schloß Wartburg , wo sie in dergleichnamigen Ahnherrin ein hohes Vorbild im Leidenund Dulden fand. Vielfache Fürbitten und Verwen-dungen für den unglücklichen Herzog waren und bliebenvergebens, mit Noth ward erlangt, daß seinen Prinzeneiniges Land und Erbe blieb. Die treue Herzoginerlangte nach unsäglichem bemühen, dem geliebten Ge-mahl in die Gefangenschaft folgen zu dürfen. Sie reiste1572 dahin und half ihm 22 Jahre lang Kummerund Schmerzen tragen. Ihre Liebe und die Schwingenwchmuthvoller Poesie erhoben ihn und ließen ihn aus-harren. Endlich ging 1594 Elisabeth ihm im Todevoran; ein Jahr später folgte Johann Friedrich dertreuesten Frau nach. Beide ruhen auch im Tode ver-eint in der St. Moritzkirche zu Cvburg. Des HerzogsSymbol waren die Buchstaben: L. I. 0. V. «AlleinEvangelium Ist Ohn Verlust»; jenes der Herzogin:II. II. II. II. «Hilf Herr Himmlischer Hort!»