Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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August Friedrich Ferdinand von Kotzebue.

Geb. d. 3. Mai 1761, gest. d. 23. März 1819.

Dieser Dichter wandelte auf wechselvoller Bahn desLebens, wie wenige vor und nach ihm; beliebt und miß-liebig, gelobt und gescholten, anerkannt und verkannt,ein Märtyrer seiner Verirrungen; doch blieb Kotzebueals deutscher Theaterdichter so geschätzt, daß die kri-tischen Verlästerungen seiner Persönlichkeit nirgend rech-ten Boden haben finden können. Die Nachwelt wirdihn jedenfalls milder richten, als es später der politischeFanatismus that, der ihn meuchelmordete und unbedingtverdammte.

In Weimarsunter den günstigsten Sternen, wurdeKotzebue geboren und als Säugling schon vaterlos.Die wackere Mutter nahm sich eifrig seiner Erziehungan, förderte das jugendliche, früh bemerkbare poetischeTalent des Knaben; das Gymnasium zu Weimar bil-dete ihn weiter aus, und er war fähig, schon mit dem16. Jahre die Hochschule Jena zu beziehen. DieseFrühreife trägt selten die gehoffte Frucht; es müssenganz besonders begabte Talente sein, die, allzufrüh zurUniversität entsendet, den richtigen Weg finden sollen.Auch Kotzebue fand ihn nicht; er dichtete und schwärmte,

statt zu studiren, und wurde Satyriker statt Anwalt,Schriftsteller statt Fachmann. Schon in früher Jugendhatte die Bühne vorzugsweise Kotzebue lebhaft an-gezogen, und er blieb der Neigung, für dieselbe thätigzu sein, durch ein von mannigfaltigen Schicksalen äußerstbewegtes Leben treu. Auf seine Ausbildung zumSchriftsteller übte der treffliche Musäus als Lehrer wieals Freund bedeutenden Einfluß; Wieland's und Goethc'sgroße Beispiele spornten den Jüngling mächtig an, undes war nur zu beklagen, daß er beiden nicht mit mehrgediegenem Ernst nacheiferte.

Einige beißende Satyren Kotzebue's machten inWeimar viel böses Blut, und er empfing den Rath,seine Geburtsstadt auf einige Zeit zu meiden. Empfeh-lungen brachten ihn in erwünschte Lebens- und Thä-tigkeitskreise nach Rußland, wo er sich verheiratete,Titularrath, Beisitzer ves Oberappellationsgerichts zuReval wurde, ja später sogar Präsident des Gouver-nements-Magistrats für Esthland. Die höheren russischendienstlichen Stellungen verleihen meist an sich den per-sönlichen Adel, und so erschien es als eine Satyre auf