Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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den Dichter des Don Rcmudo de Coliberados, der hu-moristischsten Verspottung des Adels daß ersterersich nun bewogen fühlte, sich von Kvtzebue zu schreibenund eine Schrift «über den Adel» erscheinen zu lassen.

Fortwährend thätig als Schriftsteller schrieb Kotzebue eine Menge Romane und Theaterstücke, von denen«Menschenhai ? und Reue» und «die Indianer in Eng-land» ihm Ruf und Beliebtheit verschafften, die allerOrten aufgeführt, von hämischer Kritik aber dennochhart mitgenommen und verketzert wurden, was demsehr reizbaren Dichter zum Anlaß wurde, sich gegendie gesammtc Kritik in eine Fechterstellung zu setzen,woran er sehr übel that, denn stets ist die beste Anti-kritik, zu schweigen, und zu suchen, durch ein bessergelungenes Werk das getadelte zu übertreffen.

Weit schlimmer als die Pfeile der Kritik es ver-mochten, verwundete sich Kotzebue selbst durch die ano-nyme Schrift: «Or. Bahrdt mit der eisernen Stirne»,die für ihn bitter beschämende und mit Gram erfüllendeFolgen hatte.

Den im November 1790 zu Weimar erfolgenden Todseiner geliebten ersten Gattin, die ihm auf einer Bade-reise nach Deutschland gefolgt war, ertrug v. Kotzebue nicht mit der Würde, die dem Manne ziemt; er ver-ließ sie, bevor sie verschieden war, drückte ihr nicht diegebrochenen Augen zu, sondern reiste, um sich zu zer-streue», nach Paris, von da nach Mainz .

Im Jahre 1795 begab sich Kotzebue wieder nachEsthland, vermählte sich mit Fräulein Christiane vonKruscnstern, die mit aller Liebe an ihm hing, undihm ein glückliches Leben bereiten half. Reiche Mittelerlaubten, sich von amtlicher Thätigkeit zurückzuziehen,ein schönes, unabhängiges Dasein zu führen, und aufdem erworbenen kleinen Landsitz Fricdenthal, achtMeilen von Narva, sich ausschließlich dem Dienst derMusen zu weihen. Aber Unruhe und eine Regsamkeit,die gebieterisch drängte, vor das Auge der Menge zutreten, bewogen Kotzebue , die Stelle eines Hofthcater-dichtcrs in Wien anzunehmen, zu der er allerdingshöchst berufen schien, die er aber kein Jahr aushielt,doch brachte sie ihm einen lebenslänglichen Ruhegehaltvon 1000 Gulden.

Je mehr Kotzebue den Beifall der Menge durchseine Bühnenstücke sich gewann, um so mehr reizte undkränkte es ihn, sich von Goethe und dessen ruhmvollenMitstrcbenden keineswegs nach Wunsch anerkannt zusehen, wozu noch die einseitige, albern vornehm thuendeKritik der sogenannten romantischen Schule kam, dieüberhaupt nur sich und ihre Günstlinge anerkannte.Statt auch hier der verweigerten Anerkennung, zuwelcher doch niemand gezwungen werden kann, stolzeRuhe im Bewußtsein, nach Kräften das Gute undSchöne zu fördern, entgegenzusetzen, rächte sich die ver-letzte Eitelkeit durch die Satyre «der hyperboräischeEsel» was nicht ohne auf ihn zurückfallenden Wieder-hat! blieb. Dies verleidete Kotzebue Weimar abermals;er ging nach Rußland , versah es, die gefordert wer-dende persönliche Rciseerlanbniß vom Kaiser Paul ein-zuholen, und mußte dafür und für einige spöttische

Anzüglichkeiten über Paul nach Sibirien wandern. EinStück: «Der alte Leibkutscher Peter III. », welches Lob-sprüche auf den Kaiser enthielt, bewirkte die schnelleRückberufung des Verbannten mit Cvurirpferden, brachteihm den kaiserlichen Hofrathtitel, das Krongut Worro-koll in Liesland, und die Stelle des deutschen Hof-thcatcrdirektors in St. Petersburg mit einem Gehaltvon 5000 Rubeln, neben Benefieien von seinen neuenStücken. Das alles befriedigte abermals nicht auf dieDauer v. Kotzebue nahm nach Kaiser Paul's Todeden Abschied und kehrte, mit reichem Gnadcngehaltentlassen, nach Deutschland zurück, wo wiederum An-griffe und Streitigkeiten ihm das Leben verbitterten.

Schon früher hatte sich Kotzebue mit Jffland be-freundet auch der letztere galt den romantischenLiteraturtyrannen nichts und zog jetzt nach Berlin .Jffland eröffnete das berliner Natioualtheater mit Kotze-bue's «Kreuzfahrer», und dieser begründete die Zeit-schrift: «Der Freimüthige», um ein Organ für seineFehden und Kämpfe zu haben. In Berlin wurde erAcademiemitglied, und empfing vom König FriedrichWilhelm III. von Preußen ein Canonicat. Im Jahre1805 starb ihm auch seine zweite Frau, und er gingabermals nach Paris , worauf er nach der Rückkehrund mehreren Reisen eine dritte Heirath mit einernahen Verwandten seiner verstorbenen zweiten Ge-mahlin schloß.

Während v. Kotzebue seine schriftstellerische Thätig-keit mit Glück und Beifall auf dem Gebiete der dra-matischen und erzählenden Muse fortsetzte, und auchnach dem Rufe des Historikers strebte, indem er inWahrheit gründliche Studien zu einer älteren GeschichtePreußens machte wozu er seinen Aufenthalt nachKönigsberg verlegte, zogen sich die schweren Wetter-wolken des Verhängnisses über Deutschland, über Preußen zusammen. Kvtzebue hatte, einer der ersten unter dendeutschen Schriftstellern, den Muth, offen gegen Na-poleon zu schreiben, und dieß that er unermüdlich, ver-wischte aber leider später selbst das Andenken an seineveutschvatcrländische Gesinnung, als er in dem vonihm begründeten «literarischen Wochenblatt», wie indienstlichen Berichten an den Kaiser von Rußland, deutsche Männer verdächtigte, und den liberalen Zeit-Ideen mit der Waffe des Hohnes und der Satyre ent-gegen trat. Alles, was damals die junge strebendeWelt mit Hoffnungen erfüllte, mit schönen Zukunft-träumen, der erwachte frische Geist deutschen National-bewußtseins, schien ihm eine Lächerlichkeit; vorzüglichfocht er die Burschenschaft an, und aus deren Mittefand sich der fanatische Rächer, der schwärmerische Stu-dent Karl Sand, der sich berufen fühlte, die politischenIrrthümer eines Schriftstellers mit dem Tode zu be-strafen. Kotzebue wohnte mit seiner zahlreichen Fa-milie jetzt in Mannheim, ein glücklicher Hausvater,gütig und liebevoll, wohlthätig, immer bemüht, er-freuendes neues zu schaffen, da traf ihn der Mord-stahl und es gab Menschen, hochgebildete sogar,deren politischer Wahnsinn diesen Mord heilig sprach.