Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Gideon Ernst Freiherr v. Laudon.

Geb. d. 5. Juli 1718., gest. d. 11. Juli 1790.

Ein Name schönen Klanges, ruhmreich und vielfachgefeiert, unsterblich fortklingend mit den größten Helden-namen seines Jahrhunderts. Laudon wurde zu Trotzenin Liefland geboren, wo seine Familie, schon im vier-zehnten Jahrhundert aus Schottland eingewandert, an-säßig war. Die Natur hatte das Aeußere des Kna-ben nur stiefmütterlich bedacht, und wie dieses Aeußerevernachlässigt erschien, so auch seine erste Bildung. Fastohne Kenntnisse, außer etwas Mathematik und Geo-graphie, trat der junge von Laudon als Kadet in sei-nem 18. Lebensjahre in russische Kriegsdienste ein,und lernte in diesen bald genug fühlen, daß zum tüch-tigen Krieger mehr gehöre, als der persönliche Muth,die bloße Tapferkeit und die Führung der Waffen.Mächtig erregend wirkten edle Beispiele; Laudon wohnteder Belagerung und Eroberung von Danzig 1733 bei,machte den russischen Feldzug gegen die Türken unterGeneral Münich mit, half Asow, Okzakow und Choczimerobern, und machte, ausgezeichnet durch Pünktlichkeitim Dienst, Eifer, Tapferkeit und jede sonstige kriege-rische Tugend in rascher Eile den Lauf durch alle

militärischen Grade vom Korporal bis zum Oberst-licutnant.

Als 1759 der Friedensschluß erfolgt war, nahmLaudon seinen Abschied, in der Absicht, in Wien, wo-hin er empfohlen war, österreichische Dienste zu suchen.Auf der gleise dahin berührte er Berlin und man suchteihn dort zu bewegen, preußische Dienste zu nehmen.Laudon war bereit dazu, er ließ sich dem König Frie-rich II. vorstellen und misficl diesem.DenMann mag ich nicht, er gefällt mir nicht!" hatte derKönig geäußert, und dies Wort brachte PreußensHeer um den tapfersten Mann, schuf dem großenKönig seinen ebenbürtigsten Gegner. Laudon trat inOberst von Trcnks Pandurencorps, dessen rohes Ge-bühren im Feldzug von 1743 bis 1744 ihm fälschlichzur Last gelegt wurde. Wunden und Siege, Gefangen-schaft und Befreiung und mancher sonstige Wechsel imLeben, zu denen auch der des Glaubens gehörte, führ-ten ihn weiter auf der begonnenen kriegerischen Lauf-bahn, ließen ihn endlich eine stille Stelle auf einemGrenzposten finden, wo ihm vcrheirathet, zwar kinder-