Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Bekanntschaft gleichstrcbcndcr und ausgezeichneter Ge-lehrten, La Hirc, Malcbranche, deS Belgiers ChristianHuyghens, der Engländer Newton, John Collins ,John Wallis , des berühmten Mathematikers und Sprach-forschers u. a. und trat mit ihnen in wissenschaftlicheVerbindung. Die pariser Akademie ehrte den gelehr-ten Deutschen durch die Aufnahme zu ihrem auswär-tigen Mitglied, und später wurde Lcibnitz, nach Deutsch-land zurückgekehrt, Bibliothekar des Herzogs von Braun-schweig in Hannover . Dort lebte und wirkte er nunin erwünschtester, fruchtbringendster Thätigkeit.

Gleichzeitig mit Newton wurde Lcibnitz Erfinderder Differentialrechnung, für sich erfand er eine arith-metische Maschine, deren Herstellung ihm 24,000 Tha-ler gekostet haben soll, schrieb ein Werk über das Ge-sandtschaftsrccht der deutschen Fürsten und sammelte aufReisen, die er bis nach Italien erstreckte, Materialienzu einer diplomatischen Geschichte des Hauses Braun-schweig , welche auch, in lateinischer Sprache verfaßt,in mehren Foliobändcn erschien. Auf dem Wege derErfindungen weiter gehend, mühte sich Leibnitz mit ei-ner Pasigraphie, einer Weltsprache, die allen Nationenverständlich sein sollte, allein die Sprachen lassen sichnicht behandeln wie mathematische Formeln, der Versuchwurde nicht vom Glück gekrönt; ebenso ging es miteiner Idee, die kirchliche Spaltung zwischen Protestan-tismus und Katholicismus zu heilen und die getrenn-ten Neligionsparteien zu versöhnen und zu einigen.

Auf Leibnitz Veranlassung gründete König Friedrich I.von Preußen die Berliner Akademie der Wissenschaften,zu deren Präsidenten Leibnitz erwählt wurde, und an-derweitc Anregungen bei anderen Fürsten des Reichswürden wohl gleichen Erfolges sich erfreut haben, wennnicht der nordische Krieg diese auf die Grundlage desFriedens gebauten Entwürfe zerstört hätte.

Lcibnitz strebte dahin, ein Reformator in der Wissen-schaft zu werden, wie Luther es in der Kirche gewor-den und gewesen; dahin lenkte er den Schritt, nichtSysteme wollte er gründen, welche die Wissenschaft nurin die Bande und Knechtschaft der Parteiung schlagen,

sondern erstere frei machen und allgemein, wie dasSonnenlicht. Selbst die Theologie wollte er mit derPhilosophie versöhnen. Leibnitz's Lehre von den Mo-naden (Einheiten) beseelte das Weltall , wie nach derneuern Natursorschung alles animale und vegetabile Le-ben seinen Urgrund und Ursprung in der Zelle hat,im Bläschen, und alles körperliche aus Zellen besteht,gebaut und gefügt ist so erblickte der tiefe Denkerdas All aus geistigen Wesenheiten zusammengesetzt undvon ihm durchdrungen. Diese Lehre wurde vielfachmißverstanden nnd noch häufiger gar nicht verstanden,unv mußte sich gefallen lassen auch für eine der vielenSpielereien des philosophircnden Geistes zu gelten, mitdenen nichts praktisches bcwießen und nichts erfolgreichesund glückbringendes gewonnen wird. Wenig besser er-ging es seiner Theodicee, der Verherrlichung der gött-lichen Weisheit, in welcher das System des Optimis-mus (die Lehre von der besten Well) sich ausprägte,aber vielfache Anfechtung erlitt, und noch einigen an-dern philosophischen Lehren; dies und das Fehlschlagenmancher anderen heißgcnährten Hoffnungen trübte dengroßen, scharfsinnigen und fruchtbaren Denker seinenLebensabend, obschon er dem irdischen Glück und allenäußeren Ehren im Schooße saß. Leibnitz besaß zn Han-nover ein stattliches Haus, im Jahre 4 711 hatte ihnder Kaiser zum Rcichshofrath ernannt und den Barontitclihm ertheilt, der Czaar von Rußland hatte ihm den Titelund Rang eines Geheimen Rathes verliehen, und einePension von jährlich 1000 Dukaten; der König von Eng-land ernannte ihn zum geheimen Justizrath und Histo-riographen. Leibnitz starb unvermählt im 70sten Lebens-jahre, nnd hinterließ den Ruhm nicht nur eines dergrößten Gelehrten, sondern auch eines Ehrenmannesvon trefflichem Charakter, von leutseligem Sinn undGemüth, frei vom Dünkel gelehrtthuender Ephemeren,von einer wahrhaft liebenswürdigen Milde im Urtheil,voll Billigkeit gegen andersdenkende und Gegner. SeinerSchriften sind überaus viele, er schrieb sie mit gleicherGewandtheit in deutscher, lateinischer nnd französischerSprache.