Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Drau bei Essek nnd eroberte die Feste Capusvar. Nach an-genehmem Winteraufenthalt in Venedig, Wien und Ofen undnach neuen KriegSrüstungc» gegen die Türkei begann dieFortsetzung des Feldzugö; Prinz Ludwig kämpfte in derSchlacht bei Mvhaes an der Spitze von 14 Reiterregimen-tern und half einen abermaligen großen Sieg durch seineausdauernde Tapferkeit, unterstützt von seinen heldenmüthigenMitstreitern, dem Kurfürsten von Bayern , dem Herzog vonLothringen und dem Prinzen Eugen , erringen, obschonzwischen ihm und dem Herzog eine gewisse Spannungherrschte; große Eintracht war überhaupt nicht unter denhohen Führern des christlichen Heeres, das nun zur Erobe-rung Belgrads ausersehen war und 63,000 Streiter zählte.Der Markgraf erhielt den Befehl, mit 6000 Mann in.Sla-vonien einzurücken und die türkische Streitkraft dort zu be-schäftige». Bald mußte Prinz Eugen ihm 4000 Mann Ver-stärkung zuführen, welcher aber alsbald wieder nach dem Lagervor Belgrad ging, dessen Eroberung nun erfolgte. So ent-ging dem Markgrafen die Gelegenheit, des tapfern FreundesLorbeeren zu theilen, er aber auch der Kugel, die das Volks-lied ihm zuertheilt. Er nahm indeß Eostanowicz in Bos-nien, schlug den Pascha dieser Provinz und erlegte 6 Türkenmit eigner Hand, worauf er vom Kriegsschauplätze hinwegnach Wien zum Kaiser eilte. Dieser ertheilte ihm 1689 denOberbefehl über das kaiserliche Heer in Ungarn . In dieserZeit trat der Markgraf selbst als militärischer Schriftstellerauf, indem er «Verhaftungen vor, während nnd nach derSchlacht» erscheinen ließ, die nicht wenig treffliche Winkefür Heerführer und Krieger enthielten.

Oesterreichs Siege über die Türken weckten Frankreichs Neid nnd Eifersucht, und es erfolgte ein feindseliger Einfalldes französischen Heeres in die Pfalz noch vor der Ueber-gabe einer Kriegserklärung. Der Krieg entbrannte, und diefranzösischen Truppen ließen alle Barbarei der Türken weithinter sich, es schien nöthig, wegen des neuen Feindes imWesten mit dem im Osten Frieden zn schließen; indeß drangwährend der diplomatischen Verhandlungen darüber zu Wien Markgraf Ludwig in Serbien bis zur Morawa vor, nahmSzigethwar, brachte mit seinen Verbündeten dem SeraskierRedscheb Pascha einige blutige Niederlagen bei und halfNissa erobern.

Engen wurde zum Fcldznge gegen Frankreich berufen nndkämpfte gegen Catinat , während der Markgraf von seinenWaffcnthaten ausruhte und sich 1690 mit Francisca SibyllaAugusta, Prinzessin zn Sachsen-Lauenbnrg, vermählte, dieihm neun Kinder schenkte, von denen jedoch die ersten sechsalle in zarter Kindheit starben.

Der spanische Erbfvlgekrieg rief den Markgrafen aufsneue znm Waffengefährten des gefeierten Prinzen Eugen , derjetzt gegen Vendöme kämpfte, auf den Kriegsschauplatz. DerMarkgraf befehligte ein Heer von 38,000 Mann, mit demer zunächst Landan belagerte nnd gegen den Kurfürsten vonBayern zog, der sich von Oesterreich ab- und Frankreich zuge-wendet hatte. Ludwig vereitelte die Vereinigung der unterVillars befehligten Heeresabtheilung mit den Bayern , wobeier zwar durch Villars eine Niederlage erlitt, aber seinennächsten strategischen Zweck dennoch erreicht sah. Er ver-

folgte diesen Zweck auch ferner, besetzte Freibnrg, Kehl, Brei-sach , nnd wenn es ihm auch nicht vollkommen gelang, Villarsin seinen Bewegungen zu hemmen, so behauptete er dochfortwährend eine drohende Stellung. Gleichwohl vermochteer so wenig, wie die Generale Styrum und Thüngen imJahre 1704, Deutschlands Westgrenze zu schirmen, bis Eugenund Marlborough sich znr Rettung vereinten und letztererdem Markgrafen von den Generalstaaten eine Hülfe von200,000 Kronen auswirkte, um mit seinen Truppen seineStellungen behaupten zu können, da die Geldhülfe vonOesterreich ganz zu versiegen drohte. In dieser Zeit ließ sichder Markgraf einen Fehler der Nnentschloffenheit zu Schuldenkommen, indem er unterließ, den Marsch des Kurfürsten vonBayern im Nheinthale anzugreifen und zu unterbrechen, nnderst auf Verstärkung wartete, welche der Dragoner-Generalvon Bibra ihn, zuführte, den er sehr hoch schätzte und mitdem er durch eine Reihe von Jahren einen wichtigen Brief-wechsel, der noch «»gedruckt ist, unterhielt. Am 7. Junilangte Prinz Eugen, von Wien auf Umwegen durch Tyrolkommend, im Lager Ludwig's an, besprach sich mit diesemüber weitere Kriegsoperationen und eilte zur persönlichenZusammenkunft mit Marlborough im Hauptquartier znGroß-Heppach, wohin ihm der Markgraf am 12. folgte.Hier vertheilte das größte Feldherrenkleeblatt seiner Zeit dieRollen der nächsten Kriegsactionen, doch nicht ohne Zwist,da der Markgraf, kurz vorher zum k. k. Feldmarschall nndReichs-Generallientenant, Stellvertreter des Generalissimusvon Kaiser Joseph I. ernannt, als Aelterer im Range aufgewissen Vorrechten bestand, obschon man sich gegenseitig inHöflichkeitsbczeugungen zu übertreffen suchte. Bald daraufvereinte der Herzog sein Heer mit dem des Markgrafen,während Eugen an den Rhein geeilt war; vereint wurde dieSchlacht von Donauwörth und der feindliche Feldherr Arcogeschlagen, und hierauf Sieg auf Sieg erkämpft. Dannschloß der Markgraf Jngolstadt ein, während der Sieg vonHochstädt errungen war; später belagerte und eroberte erLandan. Während der Herzog von Marlborough in denNiederlanden und Prinz Eugen in Italien ihre Sieges-bahnen verfolgten, stand Markgraf Ludwig am Oberrheindem Marschall Villars gegenüber und ward von Seiten desReichs fast ganz ohne die nöthige Unterstützung gelassen.Dieß verbitterte ihn und nährte eine Krankheit, die in seinemInnern nagte, so daß seine Stelle beim Heere zuletzt derkaiserliche Feldmarschall von Thüngen ersetzen mußte. Dergefeierte Held starb zu Nastadt und sein Tod wurde tief undschmerzlich empfunden. Als Prinz Engen in Mailand dieTodesnachricht seines Freundes und Kampfgefährten erfnhr,setzte er ihm das schönste Ehrendenkmal, indem er an einenFreund, den Grafen Strattmann, schrieb und sich zugleichauf das anerkennendste über Ludwig aussprach: «Die Mo-narchie hat ihren besten und, ich getraue mir "es zu be-haupten, ihren größten Feldherrn verloren. > Sein Zeit-alter ist nicht reich genug, seine Verdienste zu lohnen, weilmau zu oft es verfehlte, sie zu kennen und zu schätzen.»Eugen wurde an Ludwig's Stelle zum k. k. Generallicute-nant und Reichsfeldmarschall ernannt, nahm aber das Reichs-kommando nicht an.