Martin Luther.
Geb. d. 10. Nov. 1483 gest. d. 18. Febr. 1546.
Deutschlands größter Sohn und Stern, der bedeutendste Mannseiner und der nach ihm gekommenen Zeit, voll Muth, Eifer,Fleiß, Treue, Beharrlichkeit, Ausdauer; voll Kraft und Frische,nicht ganz mängellos, aber hochherzig, wahrhaft geistesgroßund doch bescheiden — so lebt Luther in der Erinnerung seinerNation, hauptsächlich in der der Bekenner seiner Lehre, sowird sein Andenken ewig gesegnet dauern. Martin Luthersthatenreiches Leben erschöpfen Bände nicht, wie vermöchtenwenige Spalten mehr, als nur den leisesten Umriß seineserhabenen Heldenbildes zu gestatten! —
Luther's Aeltern wohnten in dem damals kursächsischen, jetztherzoglich S. Meiningenschen Dorfe Möra, 2 Stunden vonEisenach. Der Vater, Hans Luther, war Bergmann, fandaber in dem nicht sehr ergiebigen Bau auf Kupfer in jenerGegend nicht genügendes Auskommen, und zog mit seinerFrau Margaretha, geborene Lindemann, in das Mansfeld'sche.Im Mutterschoose enttrug sie den Sohn seiner ursprünglichenHeimath, und die Mansfeld'sche Stadt Eisleben wurdeMartin's Geburtsort. Der verständige und thatkräftige Vaterarbeitete sich empor und brachte es zu einiger Wohlhabenheit,ja bis zum Bürgermeisteramte in Mansfeld; der Sohn wardstreng geschult, und in den Jahren, wo noch Mangel dieAeltern drückte, war seine Schul- und Jugendzeit nicht golden.Die Schule zu Mansfeld war nicht besser, als die Schulenalle vor der Reformation, Stock- und Ruthenstreiche in Fülle,
Lehre wenig, und der Unterhalt armer Schüler ward durchCurrendesingen und Partekengehen erworben.
Im 14. Lebensjahre verließ Luther die Schule zu Mans-feld. Der Vater wollte im Sohn einst einen Gelehrten, womöglich einen Rechtsgelehrten erblicken, und Martin wandertegen Magdeburg, auf der dortigen höheren Stifts- oderFranciskaner-Schule sich weiter auszubilden. Er war durchübergroße Strenge der Aeltern und Lehrer verschüchtert, ver-düstert, und hielt wohl kaum 1 Jahr aus in der finsternKlosterschule, wandte sich vielmehr nach Eisenach, wo ihm,wie in der Nähe, Verwandte lebten, und die mit den Kirchenverbundenen lateinischen Schulen gut waren; doch auch dortlitt Luther alle Noth eines armen Schülers, die er standhaft,fromm und ergeben trug. Frau Ursula Cotta nahm sichseiner hülfreich und unterstützend an; ihre Barmherzigkeitrettete Deutschland seinen Reformator. Im. Hause seinerWohlthäterin legte Luther neben seinen Studien auch denGrund zu seiner musikalischen Ausbildung. Auch außerdemboten Eisenach und dessen großartige Umgebungen unvergäng-liche Eindrücke. Mit dem Jahre 1501 verließ Luther dieseseine «liebe Stadt» und wandte sich, höheres Studium zubeginnen, nach der nahen Hochschule Erfurt.
Dort trat Luther, nun ein Jüngling von 18 Jahren, mithofsnnngreichcm Gemüth in das academische Leben ein; derVater konnte ihn jetzt besser, wie vorher als Schüler, unter-