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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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ihr z»»l Heiser und Üictter. Ernst warb ein Heer,zog nach Böhmen , stand dem geächteten KurfürstenFriedrich V. von der Pfalz bei, theilte dessen Nieder-lage, und erhob sich jetzt, wie später, auch geschlagenimmer wieder aus der Demüthigung, mit stets ver-jüngtem Muthe und aller wilden Lust, dem verhaßtenFeind den möglichste» Schade» zuzufügen. Als General-feldzengmeistcr nahm er die Stadt Pilsen ein; KaiserRndolph II. war todt, sein Nachfolger Matthias vcr-hing die Rcichsacht über Ernst von Mansfcld, dieserachtete des Kaisers Acht so wenig, als Luther vor 100Jahren die des Papstes geachtet, und hielt auf dashartnäckigste Pilsen , Eger und Tabor auch dann nochbesetzt, als die Schlacht am weißen Berge 1020 seinerPartei eine tiefe Wunde geschlagen. Erst 1021 gelanges Tilly'ö Anstrengungen, den kühnen Parteigänger,der fast ganz auf eigene Hand seinen Krieg führte, ausBöhmen zu verdrängen. Flugs ging Ernst in die Pfalz ,rührte die Werbetrommeln, warb ein neues Heer von18,000 Mann und rückte gegen Spinola, der die Pfalz besetzt hielt und Frankenthal belagerte, so energisch vor,daß Spinola sich entschließen mußte, die Belagerungvon Frankcnthal aufzugeben. Der nie zu bewältigendeMuth und Ernst's Ausdauer selbst nach verlorenen Ge-fechten verbitterte oft den Feinden selbst ihre Siege,und ihm war nicht bcizukommen; mit ungewöhnlicherList und Schlauheit entging er allen Gefahren, fandstets neue Truppen, und die oft hart bedrohte und be-drängte evangelische Partei hatte an ihm einen ihrertrenesten Bundesgenossen. In einer Schlacht am 29.April 1022 schlug Ernst daö Heer der bayrischen Ligabei Mingclsheim und Wieseloch, »ahm dann Ladenburg weg und belagerte Elsaß-Zabern . Nachdem er sichgestärkt und gekräftigt, indem er dieselbe Taktik wieWallenstcin entwickelte, daß das Heer sich selbst ernährenund sich in sich selbst verjüngen mußte, fiel er 1028wieder in die österreichischen Erblande ein, wurde zu-rückgedrängt, von Wallenstcin verfolgt, und ihm bei

Dessau die Annahme einer Schlacht abgenöthigt, inwelcher Wallenstein zwar Sieger blieb, aber wieder,ohne des Sieges recht froh werden zu können, dennder Besiegte entging, und ehe man dessen sich versahwehten Ernst's Banner und Fähnlein schon wieder inSchlesien und Mähren , welche Lande Ernst in Eil-märschen durchzog, um sich im Bunde mit Herzog Jo-hann Ernst zu Sachsen nach Ungarn zu wenden, undsich dort mit dem Feind des Erzhanses, BethlenGabor zu vereinigen, welcher sich aufs nene erhob, umabermals Ansprüche gegen Oesterreich geltend zu machen.Bethlen Gabor konnte nicht vergessen, daß, wenn auchnur kurze Zeit, die Königskrone von Ungarn sein Hauptgeschmückt, und es genügte dem unruhigen Feldherrnnicht der Fürstentitel, nicht die Herrschaft über siebenGespanschaften, leider aber beseelte ihn dennoch keinrechter Manncsmuth, und so wurde er dem Mansfcldereben so treulos, als er es dem tapfern Herzog JohannErnst IV. zu Sachsen wurde, der Tilly im vorigenJahre bei Nicnbnrg geschlagen hatte. Jetzt gab endlichErnst von Mansfcld die Hoffnung auf, in Deutschland Lorbeer» zu ärnten, überließ dem Sachsenherzog sei»Heer, und beschloß, nach Venedig zu reisen, und vonda sich nach England einzuschiffen. Der Verdruß überBethlen Gabor's offenbare Treulosigkeit mochte im Bundemit den ertragenen Strapatzen seines Eilzuges ausDeutschland nach Ungarn ihn innerlich erschüttert haben.Ernst von Mansfcld erkrankte in Uracowitz bei Zara in Bosnien, und starb, voll geharnischt und gewappnet,nicht auf weichem Lager, nicht im Armsessel, sondernstehend, bewußt und unerschrocknen Muthes, wie er gelebt.Er wurde zu Spalatro begraben. Zwölf Tage nach ihmwar vielleicht von gleichem Schmerz ergriffenauch Herzog Johann Ernst IV. zu Sachsen eine Leiche.Die Feinde konnten jubeln; nicht ihre vereinte Machthatte zwei der tapfersten Führer ihrer Gcgnerhcereniederzuwerfen vermocht; der Tod gab auf fremder Erdeihnen ohne Schwcrtschlag leichten Sieg in die Hand.