als Schriftsteller zu glänzen. Sein Styl aber, einfachund allverständlich, erhob ihn zum Range eines derersten deutschen Prosaisten seiner Zeit. Von reinerVaterlandsliebe erfüllt, schrieb er das JntelligenzblattOsnabrücks vom Jahre 1766 bis 1782, und suchtein demselben sein Publikum für guten Geschmack, An-theil am Vaterlands, häuslichen Sinn und dergleichenzu gewinnen. Er behandelte seine Gegenstände oft mitköstlichem Humor und unvergleichlicher Laune. Aus denzahlreichen Leitartikeln jener Jntelligcnzblätter entstanddas Sammelwerk Möser's : «Patriotische Phantasien»,Phantasten, die oft sehr nackte Wahrheiten enthieltenund nichts weniger als poetische Fictionen waren. Die-selben erschienen in zwei Theilen zuerst 1775 und1776, eine neue Auflage folgte bald, ebenso der dritteund vierte Theil 1776 und 1786, und endlich besorgtenoch 1861 Möser's Tochter eine dritte vermehrte Auf-lage. Goethe, welcher Möser sehr verehrte, stand mitdieser Tochter in anziehendem Briefwechsel. Möser wollte auch der sehr gründliche Geschichtschreiber seinesVaterlandes, des Bisthums Osnabrück, werden, zudessen Geschichte er schon in jüngcrn Jahren Materialiengesammelt, allein er legte die Ausführung des ver-dienstvollen Werkes zu weitschichtig an und führte esnur bis zum Jahre 1192. Es erschien seine Osna-brückische Geschichte mit Urkunden in 2 Theilen undwurde cinigemale neu aufgelegt. Möser's Geist wecktegleichsam eine eigenthümliche patriotisch strebsame Os-nabrückische Gelehrtenzunft, deren Richtung sich nochimmer kund gibt und die dem kleinen engen Vater-lande, dem sie ihre Thätigkeit vorzugsweise zuwandte,sehr zu Gute kam. Glcichstrebende ältere und jüngereGenossen, wie z. B. der angeführte Doctor Carl Ger-hard Wilhelm Lodtmann , sein bester Jugendfreund, derals Professor zu Hclmstädt in der Blüthe seiner Jahrestarb und nach Möscrs eigenen Aeußerungen letzterenan Wissen noch übertraf, Abt Jerusalem (ein Ver-wandter Möser's) lebten theils in der Heimath, theilsspäter auf den Hochschulen Jena und Göttingcn mitMöser im trauten Bunde, und entfalteten in einemwürdigen Wirken alle patriotischen Tugenden, die sichbesonders in der auch für Osnabrück unheilvollen Pe-riode des siebenjährigen Krieges erprobten. Der thä-tige Möser an der Spitze der wackersten Mitbürgerrettete und ersparte dem Lande große Summen, halfder Noth steuern, wo er konnte, und sah sich mit demgrößten Vertrauen des Herzogs Ferdinand von Braun -schwcig beehrt, nicht minder aber auch mit dem desspäter nach seiner Minderjährigkeit als protestantischerBischof Osnabrücks zur Regierung gelangten Prinzen
von Großbritannien. Möser vereinte in seiner PersonAemter, die in jetziger Zeit zu vereinen Sache der Un-möglichkeit sein würde, zu allseitiger Zufriedenheit. Erwar gleichsam, nachdem er 1762 Justitiarius beimCriminalgericht zu Osnabrück geworden, obschon nichtdem Titel »ach, geheimer Rath und Staatsminister,hieß von 1768 an geheimer Regierungsreferendar, von1785 an aber geheimer Justizrath und vertrat sonachdie Rechte seines Landesherrn oder, wie man jetzt sagenwürde, die der Regierung, und als thätiges Mitgliedder Landstandschaft die der Stände -— von denen desVolkes war freilich damals noch nicht die Rede. Diehohe Redlichkeit, die staatsmännische Einsicht, die großeUneigcnnützigkeit und treue Pflichterfüllung Möser's ,die nicht nach freien Wohnungen und Landtagsdiätenmit nichts weniger als patriotischem Heißhunger angelte,wie die jüngste Zeit ihn erst gebar, waren es, die ihmeine so einzige Stellung behaupten ließen und ihnüber alle mißlichen und gefährlichen Klippen derselbenführten. Mit hoher und rührender Theilnahme begingdie Osnabrückischc Ritterschaft im Jahre 1792 Möser'sfünfzigjähriges Dienstjubiläum, weihte ihm öffentlichenDank für seine treuvaterländische Gesinnung und ein-sichtvolle Leitung der Staatsgeschäfte, und für sein ge-räuschloses wahrhaft nützliches Wirken, der durch seinenGeist das engere Vaterland auch dem Ausland ehren-vollst in das Gedächtniß gebracht habe. Unter Möser'szahlreichen Verdiensten war nicht das kleinste, daß eres war, der im Fürstenthum Osnabrück zuerst undvielen andern deutschen Ländern voraus die Abschaffungder Tortur bewirkte.
Möser war glücklich verheirathet, verlor aber seinetreue Hausfrau im Jahre 1787; seine Tochter FrauJenny von Voigts jedoch widmete ihm die liebevollstePflege, und da er einer guten Gesundheit sich erfreute,erlebte er ein glückliches Alter. Zu seiner Erholungund um sich im gemüthlichen Umgang mit Freundenzu erfrischen, besuchte Möser alljährlich Pyrmont, allemer nahm keine Bäder, zumal er einem einzigen unvor-sichtigen kalten Bade ein Uebel zuschrieb, das die Jahreihm brachten, und dem Pyrmontcr Wasser thut er auchkeinen Abbruch, denn er trank kcins. Mit heitererRuhe gab er, als er das nahen des Todesengels fühlte,den Auftrag, seiner kindlich treuen Tochter für alle ihreihm zugewendete aufopfernde Liebe zu danken, undentschlief im eigentlichsten Sinne des Wortes sanftund ruhig, wie ein ächter Weiser.
Osnabrück, Justus Möser's Vaterstadt, hat ihm einehrendes Denkmal errichtet.