Moritz, Herzog und Kurfürst zu Sachsen
Geb. d. 21. März 1521, gest. d. 9. Juli 1555.
Dieser in der deutschen Geschichte, wie in der Geschichteder Reformation bedeutende Fürst wurde zu Freiberggeboren; er war der Sohn Herzog Heinrich des Frommenund der Prinzessin Katharina von Mecklenburg. DieErziehung des Prinzen war eine bildende, standes-gemäße, doch mehr höfische als gelehrte, theils beiseinem Oheim, dem Herzog Georg, theils bei seinemPathen, dem Prachtliebenden Cardinal und KurfürstenAlbrecht von Brandenburg, von dessen Hofe zu Mainzer sich später zu seinem Vetter, dem Kurfürsten JohannFriedrich den Großmüthigen, nach Torgau begab, unterdessen liebevoller Leitung er seine Bildung vollendete.An des Kurfürsten Hofe lernte Moritz die Männer derReformation kennen, in deren Mitte er bald genugstehen sollte, und Luther, vom Kurfürsten befragt, waser von dem jungen Prinzen halte, hob warnend denFinger und sprach: «Hütet euch, einen jungen Löwenzu erziehen!» Die Spaltung, die um der Glaubens-lehren Willen im Fürstenhause Sachsen stattfand, konntedes Prinzen Gemüth nur unangenehm berühren, indeßentschädigte ihn die Freundschaft, die er zu dem Hessen-
fürsten Landgraf Philipp den Großmüthigen trug, mitder dieser den jungen Sachsenprinzen selbst beehrte,und welche so weit gedieh, daß Moritz, im 20. Jahrestehend, und gegen seiner Aeltern Willen, sich mit derTochter des Landgrafen, Agnes, verlobte und am9. Jan. 1541 vermählte, wodurch ein nicht geringesZerwürfniß zwischen den beiden sonst eng befreundetenund verschwägerten Höfen entstand; Philipp von Hessenhatte ja selbst die Tochter Herzog Georg des Bärtigenzur Gemahlin. Indessen kam bald Versöhnung undAusgleichung zu Stande. Noch in demselben Jahrestarb Herzog Heinrich und Moritz wurde mit 20 JahrenRegent der sächsisch-albertinischcn Lande. Als solchersuchte er, nachdem er das Erbe nach Verträgen undRechten mit seinem jüngeren Bruder August getheilt,für das Wohl seines Landes heilbringend zu wirken,und machte durch segensreiche Stiftungen seinen Namenin Sachsen unvergeßlich. Kraftvoll und eifrig für dieBegründung der neuen Lehre wirkend, suchte HerzogMoritz derselben durch Errichtung tüchtiger Schulenfesten Halt und Boden zu gewinnen, und so wurde er