Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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der Stifter der Fürstenschulen zu Pforta, zu Meißen und zu Mcrscbnrg, auch hab er durch reiche Bega-bungen die Universität zu Leipzig . Dem Schmalkal-dischen Bunde beizutretcn, hielt Moritz noch zur Zeit,so sehr er mit Eifer an der evangelischen Lehre hing,nicht für angemessen, und eine Urkunde, welche aufseinen Zutritt deutet, blieb unvollzogen. Es trat abergleichwohl durch Moritzens Anschließen an Philipp vonHessen zwischen letzterem und dem Kurfürsten JohannFriedrich zu Sachsen eine der Bundessache keineswegsforderliche Spannung ein, die noch durch die kurzeWurzencr Fehde vermehrt wurde. Philipp von Hessen legte letztere friedlich und gütlich bei, und dann leistete' Herzog Moritz dem Könige Ferdinand in dem Kriegegegen die Türken persönlichen Zuzug, indem er sichmit einem stattlichen Heere unter die Fahnen des Kur-fürsten Joachim von Brandenburg stellte, der als Ober-feldherr das Reichsheer befehligte. Gegen Ende desMonatS Juni 1842 traf er im Feldlager bei Wien ein und bestand auf dem weiter ostwärts sich fort-setzenden Feldzuge manche drohende Gefahr, namentlichvor Pesth, wo er mit seinem Diener Reibisch von denSeinen getrennt, von einem ausgefallenen Türkenhaufenumzingelt, nur durch Rcibisch's Opfertod und die eigeneTapferkeit gerettet wurde. Der Feldzug endete rühm-los, und Moritz kehrte im Oetober 1542 wieder nachSachsen zurück. Jetzt brach der neue Krieg Franz I.gegen Carl V. aus, und Moritz, der auf die Gunstdes Kaisers ein hohes Gewicht zu legen begann undschon jetzt aus der Zwietracht unter den Fürsten desSchmalkaldischcn Bundes Folgerungen für die Zukunftmachte, ließ sich gern herbei, am Kriege gegen Frank-reich Theil zu nehmen, um so mehr, als ihm vomKaiserhofe aus geschmeichelt wurde und man es verstand,sein Herz mit Hoffnungen künftiger Große zu nähren.Moritz war bei der fruchtlosen Belagerung von Lan-dreep, führte im Jahre 1544 dem Kaiser 1200 Pferdezu, Reiter und Geschütze, und nahm Vitrp ein, zeich-nete sich auch vor St. Dizier aus. Nach der Rück-kehr aus Frankreich führte Moritz ein Heer gegen denHerzog Heinrich von Braunschweig und half diesenmehr durch einsichtsvollen Rath als durch Waffen-gewalt zur Unterwerfung bringen. Im Jahre 1546reiste Moritz zum Reichstag nach Regensburg , um sichdem Kaiser persönlich vorzustellen und seine Ansprücheauf die Stifter Magdeburg und Halberstadt zu be-treiben. Letzteres gelang zu seiner völligen Befriedi-gung, aber es erfolgte ungleich wichtigeres; Moritz

wurde von dem Kaiser völlig gewonnen und es legtedieses persönliche Zusammentreffen den Grund zu denfolgereichsten Ereignissen der nächsten Zukunft. DemSchmalkaldischcn Bunde war der Herzog nun entrückt;auf fernere Ncligionsreformen in seinen Landen ver-zichtete er; diese sollten den Kirchenversammlungen an-heim gegeben bleiben; als Belohnung gethaner nndkünftiger Dienste sollte Moritz jährlich vom Kaiser5000 Gulden beziehen. Die Hauptfrucht all dieserAbhängigkeit, in die sich der Sachscnherzog aus freiemWillen zum Kaiser stellte, war die, daß Moritz gegendie nächsten Blutsverwandten, seinen Schwiegervater,den Landgrafen und seinen Oheim, den Kurfürsten, dieWaffen tragen mußte, daß er ein Hauptwerkzeug zurUnterdrückung der evangelischen Freiheit wurde und daßer zur Züchtigung der «ungehorsamen Reichsfürsten»niit Vollzug der gegen dieselben unterm 20. Juli 1546ausgesprochenen Acht vom Kaiser beauftragt wurde.Es gingen zwar der Achtvollstreckung noch zahlreichediplomatische Verhandlungen vorher, allein Schluß undAusgang war die Schlacht bei Mühlberg, die Gefangen-nehmung Johann Friedrichs und später die treulosePhilipp's, beider Reichsfürsten schmähliche nnd langeHaft und die Uebertragung des Kurhutes von Sachsenauf das Haupt des Siegers über Ohm und Schwieger-vater, wobei der erstere der feierlich zu Augsburg auffreiem Platze vollzogenen Belohnung Moritzens mit derKur selbst zuzusehen, auf daS schimpflichste gezwungenward. Mehr als die Hälfte der deutschen Nation sprachdem neuen Kurfürsten von Sachsen das Urtheil; Schmach-lieder und Schandbildcr auf ihn erfüllten die Märkte.Die Theilnahme aller redlich gesinnten lenkte sich denunglücklichen gefangenen Fürsten zu, während der Kaiserund seine pfäffischen Rathgcber den Sieg über die pro-testantische Partei dahin zu benutzen strebten, Rechteund Freiheiten der gesammten deutschen Fürsten völligzu Boden zu drücken und zu vernichten. Endlich gingendem Kurfürsten Moritz die Augen auf er wandtesich gegen den Kaiser, schloß Bündniß mit Frankreich und führte ein starkes Heer gegen Carl, den er bisnach Tyrol verfolgte und beinahe gefangen nahm. Diegefangenen Fürsten wurden nun befreit, aber die Kurbehielt Moritz. Nach einem abermaligen Türkcnzugezog der Kurfürst gegen den kampflustigen MarkgrafenAlbrecht von Brandenburg-Kulmbach, schlug diesen inder Schlacht bei Sievcrshausen und starb an einer em-pfangenen Schußwunde. Sein Bruder August wurdeErbe der Kur.