ablässig bemüht, durch eigene Werke, wie durch Beispielund Lehre, auf die Läuterung des gesunkenen Ge-schmackes hinzuwirken, und gewann sich zugleich durchdie rastlose Thätigkeit seiner Hand, seines Pinsels, seinerNadel und seines Mcisels einen nahe an Ucbcrschätzunggrenzenden, weit verbreiteten Ruf. Er strebte nachhöchster Correethcit im Styl und in der Zeichnung,und suchte zu dieser seine Schüler hinzulenken, zuwelchen Schülern, wenn auch nur eine kurze Zeit, selbstGoethe gehörte. Damals hatte Ocser seine Dirck-torialwohnung in der alten Pleißenburg, und Goetheschildert jenen in seiner angenehmen Plastisch anschaulich-machenden Weise in: «Aus meinem Leben, Wahrheitund Dichtung» so treu und klar und so fern von allerUebcrschätzung und Uebertreibung, daß der Leser wohlherausfühlt, es sei in allem, was der große Dichterüber den bedeutenden Künstler sagt, nur Wahrheit undkeine Dichtung enthalten, aber viel gerechte Anerkennungund Würdigung. Ocser wies seine Schüler an daseigene Nachdenken, wie zum Studium der Kunst-geschichte hin und hob ihnen gern die Verdienste ab-geschiedener oder nicht anwesender Männer hervor,welche sich um Kunst oder Kunststudien verdient ge-macht, wie unter andern Christ, Winckelmann , derdamals schon in Italien lebte, Lippert u. a.; auch lei-tete er sie durch reiche, ihm gern zu Gebote gestellteSammlungen zur bildenden Auschau des gediegenenin Handzeichnuug, Holzschnitt und Kupferstich an, wo-durch in Goethe jene lebenslänglich dauernde Neigungan solchen Werken, die ohnehin in ihm schlummerte,stark hervorgerufen und genährt wurde.
Oescr, wenn er auch in der praktischen Ausübungseiner Künste nicht ganz frei von Mängeln war (na-
mentlich stand er als Bildhauer ungleich tiefer wie alsMaler) drang stets auf edle Auffassung und Behand-lung künstlerischer Vorwürfe, und ging darin seinenSchülern mit gutem Beispiel voran. Viel bewundertegrößere Arbeiten Oeser's waren theils, theils sind siees noch die Fresken des Gewandhaussaales in Leipzig ,die Gemälde in der St. Nieolaikirche, und ein alle-gorischer Theatervorhaug, ebenfalls dort, in welchenGemälden sich die Vorzüge lebhafter Farbengebung,Naturwahrheit im Ausdruck und glückliche Phantasiein der Erfindung vereinten. Viele seiner Zeichnungenradirte Oeser selbst, andere stach der gefeierte Banse,andere sein Schwiegersohn C. G. Geyser. EineMenge anderer Handzcichnungen blieb ungestochen undverstreute sich in Sammlungen.
Theils eigenhändig von ihm gearbeitet, theils nachseinen Zeichnungen und Modellen wurden in Leipzig die Denkmäler des Kurfürsten von Sachsen auf derEsplanade vor dem Petersthore, Gelleres in einemPrivatgarten, eins in der alten katholischen Kirche, undauswärts das Monument der Königin Mathilde vonDänemark zu Celle , errichtet.
Außer einigen Töchtern hatte Oeser zwei Söhne,beide Jünger seiner Kunst, aber beide ihm noch vorseinem eigenen abscheiden entrisse», was sein sonstruhiges und heiteres Greisenlebcn schmerzlich trübte.Der älteste Sohn, welcher zuletzt starb, Johann FriedrichLudwig , brachte es bis zum Professor der Geschichts-und Laudschaftsmalerei und wurde 1780 Mitglied derDresdener Aeademie. Oeser's, deö Vaters, letzte Ar-beit war ein Christuskopf, an der ihn der Tod über-raschte.