Geb. d. IN. Dez. E8,
Kraftvolles Rüstzeug der Reformation, ausgestattetmit Muth und Feuer und nie ermüdendem Eifer, dabeiaber nicht frei von Irrthum, doch auch im Irrthumfest und beharrlich.
Osiander grüßte das Licht des Tages zu Gunzen-hausen im Ansbachischcn; der Vater, ein Schmied,hieß Hosmann, welchen Namen der gelehrte Sohnspäter nach der Zeitsttte vergriechischte. Der jungeHosmann begab sich aus die Hochschulen zu Jngolstadtund Wittenberg , und führte das Leben eines für sichStudirendcn. In den engern Kreis der befreundetenGenossenschaft Luther's scheint Osiander zu Wittenberg vorerst nicht eingetreten zu sein, jedenfalls aber blieber Luther nicht unbekannt, da er dessen Lehre begeistertannahm und von der Vorsehung berufen ward, mittenim Herzen Deutschlands das Banner der Reformationaufzupflanzen und für dasselbe zu streiten. Dieses Herzwar die freie Reichsstadt Nürnberg, vorleuchtend in derWissenschaft, gefürstet gleichsam durch die Kunst, einEmporium des bewegenden, lebendig fortschreitendenGeistes, auf welche Lnther gar hohen Werth legte,
indem er Nürnberg mit der Sonne verglich, die überMond und Sternen leuchte, und es nicht minder dasAuge und Ohr Deutschlands nannte. Osiander wandtesich nach Nürnberg , wurde mit 22 Jähren schon Lehrerder Theologie und Mathematik am Augustincrklosterdaselbst, trat zugleich dort als der erste auf, welcherdie hebräische Sprache lehrte, und dann wurde er 1522der erste lutherische Prediger der freien Reichsstadt, inwelchem Jahre er in der St. Lorenzkirche am 23. Febr .zum erstenmale evangelisch predigte. Dieses Predigt-amt bekleidete Osiander mit Eifer und Treue bis zumJahre 1548 und war während dessen Führung in un-gemein wichtigen Kirchcnangelegenheitcn fördernd undhelfend thätig. Daß Osiander gleich beim Antrittseines Pfarramts von den Mönchen, welche der Neue-rung entgegen waren, heftig befehdet wurde, lag inder Natur der Sache, aber Osiander bekämpfte undbesiegte sie in öffentlichen Disputationen. Nürnberg war für die Reformation der gedeihlichste Boden;Männer wie Dürer und Pirkheimer, Spengler undScheurlin, Hans Sachs und Eoban Heß waren dort