Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Peutinger lieb, kaufte dort ein Haus, richtete sich Woh-nungen ein, und ließ sich's gefallen, daß bei seinemEinzug 1504 Peutingcr's vierjährige frühreife TochterJuliana ihn mit lateinischer Rede begrüßte.

Es fand ein immer engeres anschließen beider hoch-begabter Männer, des Kaisers und Peutingcr's, aneinander statt; Peutinger mußte den Kaiser nach Eölnbegleiten, wurde von ersterem nach Burgund entsendetals dessen «Sceretar», und erwirkte seiner Vaterstadteinen Iagdbrief in einigen benachbarten Gebieten, nichtminder bald darauf andere wesentlich wichtige Gerecht-same, darunter das jus elo non appsllainlo. Auchnach Wien folgte Peutinger dem Kaiser, und wurdeneben andern Männern mit einer Sendung an dieUngarn beauftragt. Nach Augsburg zurückgekehrt,mußte Peutinger zur Aufbringung der Ncichshülfe undzu Anleihen bei den Reichsständen die helfende Handbieten, ebenso Forderungen der Gläubiger tilgen undfür diese selbst beim Kaiser häufig bittend einkommen.Später nahmen wieder mancherlei Sendungen Peu-tinger's Zeit und Thätigkeit in Anspruch, wie nichtminder außerdem ein ununterbrochener lebhafter Brief-wechsel nach allen Seiten hin, so daß kaum zu be-greifen ist, wie bei dieser staatsmännischen Thätigkeitder geniale Mann doch auch jene auf dein Gebiete derWissenschaften und Künste nicht außer Acht ließ. Daherauch die Freundschaft und Vorliebe für Ulrich vonHütten bis zum Antrag der Verschwägerung.

Das berühmte Grabmal ves Kaisers zu Jnsbruckmit seinen metallenen Statuen wurde unter Peutingcr'sLeitung in Augsburg begonnen; eine Gießftätte wurdeerbaut, Maler, Modellirer, Bildhauer, Gold - undSilberschmiede, kunstvolle Harnischmacher wurden voll-auf beschäftigt, neue Druckerpresscn eingerichtet, der vonLucas Kranach erfundene Helldunkel- und Farbendruckder Holzschnitte geübt, und Peutinger war es, der denDruck der Lieblingsschöpfung Kaiser Marimilian's, desThencrdank, in Augsburg besorgte, und durch dieaugsbnrgcr Künstler Burgkmeier und Schäufelin Holz-schnitte zu demselben und dem erst 1775 gedruckten Weiß -kunig fertigen ließ, nicht minder noch für andere Werke,zu denen der Peutinger befreundete Albrecht Dürer mit-wirken mußte. Außerdem wurden noch eine Menge in Holzschneidender Künstler als Gehülfen bei diesen Werken be-schäftigt, so daß Augsburg förmlich eine Schule für den da-mals in höchster Blüthe stehenden deutschen Holzschnittwurde. Nur der Umstand, daß der Buchdrucker Schöus-

bergcr von Augsburg nach Nürnberg übersiedelte, unddie Theuerdaisslettern, so wie was vom Werke bereitsfertig war, mitnahm, gewann Nürnberg die Ehre, Druck-und Vcrlagsort dieses schönen Buches zu werden.

Hochachtbar erscheint Peutingcr's Thätigkeit alsForscher auf dem Felde der Geschichte. Der klassischeBoden Italiens hatte ihm früh die Neigung für letztereerschlossen. Peutinger war der erste Sammler der zuAugsburg befindlichen zahlreichen Römcrinschriften; erbegann eine Sammlung antiker Münzen, legte eineumfassende Kaiserregestensammlung an, die unvollendetblieb und umgab sich mit einer Welt voll Alterthümerder Kunst und Literatur, an Büchern, Bildern, Karten,Geräthen u. s. w. Peutingcr's Fleiße danken wir dieersten Ausgaben des Abbas Urspergcnsis, des PaulusDiaconus Longobardenhistorie, des Jornandes Ge-schichte der Gothen, außerdem schrieb er noch manchesandere. Die nach ihm genannten «Peutingerischen Ta-feln», welche Conrad Celtcs im Kloster Tegernsee imManuskript gefunden und Peuringer vermacht hatte,zeigen die unter Kaiser Thcodosius aufgezeichneten Mi-litärstraßen des größten Theils vom abendländischenKaiserthum; sie wurden nach Peutingcr's Tode thcilweise,und vollständig erst 1755 herausgegeben.

Nach Kaiser Marimilian's, 1519 erfolgtem, Peu-tinger tief niederbeugendem Tode, häuften sich des letz-ter» Geschäfte immer mehr; im Rathe der Reichsstadtthätig wirksam, trug er mit der Würde redlich dieBürde öffentlicher Berufsthätigkeit, bald als Gesandteran den Kaiser, bald als Richter wie als Lenker deröffentlichen Angelegenheiten. Der kirchlichen Reformwar Peutinger nicht abhold. Luther war schon 1518auf dem Reichstage zu Augsburg sein Gast; freundlichhatte er mit ihm in Worms verkehrt. Aber der Spaltungin der Kirche war er entschieden abhold; er fürchtete nichtohne Grund die drohenden Kämpfe, widerrieth daherder Stadt in redlicher Ueberzeugung die Religions-änderung. Dieß machte ihn mißliebig, denn schon hattedie protestantische Partei den Sieg der öffentlichen Mei-nung in Augsburg errungen. Peutinger schied 1534ehrenvoll entlassen aus seinem Amte, doch wurde nochoft hernach sein treuer und cinsichtvollcr Rath begehrt,auch ehrte die Stadt 1538 seine Verdienste durch Ver-leihung des Patriciats. Er lebte fortan nur der Wissen-schaft und seiner Familie, und beschloß in Ruhe seineruhmreich thätige irdische Wanderung.