Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Conrad peutinger.

Geb. d. 15. Oct. 1M!>, gest. d. 28. Dez. 1A7.

Dieser große Gelehrte gründete seinen wohlverdientenRuhm durch eine höchst vielseitige Thätigkeit und einumfassendes gründliches Wissen. Er glänzte als Phi-lolog und Archäolog, als Geschichtforscher und alsStaatsmann, und gründete sich nicht nur durch seineGelehrsamkeit, sondern auch durch besondere Verdiensteum seine Vaterstadt das ehrenvollste Andenken.

Peutinger wurde zu Augsburg geboren, warAbkömmling eines alten Geschlechts dieser Reichsstadt,studirte in Deutschland und Italien die Rechtswissenschaft,besuchte die Hochschulen zu Padua und Rom, und kehrtedann in die Heimath zurück, wo er 1490 zunächst diebescheidene, doch in jener Zeit ungleich wichtiger alsjetzt erscheinende Stelle eines «Dieners der Sladt» aufvier Jahre annahm. Aber Talent und Fleiß, diesegroßen Sterne, ohne deren belebenden Einfluß nie einstrebender höher klimmt, ließen ihn nach und nachdennoch empor gelangen. Erst 1497 wurde Peutingerals «Stadtschreiber» auf Lebenszeit angenommen. Alssolcher und als ein wissenschaftlich gebildeter, höchstfähiger und brauchbarer Mann wurde er nun dem

Kaiser Maximilian I. bekannt, dem Mären aller Künsteund neu im deutschen Vaterlande aufblühenden Wissen-schaften; in Angelegenheiten und Klagen der StadtAugsburg gegen den schwäbischen Bund begleitete Peu-tinger den Ritter Langemantel u. A. auf einer Ge-sandtschaft zum Kaiser, der ihn bald seiner besondernGunst und Auszeichnung werth hielt, ihn zu wichtigenBotschaften benutzte, und ihn bei dem neu errichtetenReichskammergericht als Fiskal anstellte. Im bayrischenKriege wurde Peutinger vom Kaiser mit der Führunghöchstwichtiger Korrespondenzen an auswärtige Staatenund an den Erzbischof Bertholt, von Mainz, einen dererleuchtetsten Kirchensürsten, betraut. Peutinger ver-heiratete sich mit einer gelehrten Jungfrau aus demHause der Weiser. Als dieses augsburger Handelshausdie ersten Schiffe von Portugal aus zur Fahrt nachIndien rüstete, richtete Peutinger's kluger Sinn denInhalt der Geleitsbriefe des römischen Königs also ein,als sende der Kaiser selbst diese Schiffe, und hob desKaisers Ruhm und die Ehre der Vaterstadt zugleichhervor. Dafür gewann Maximilian Augsburg und