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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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Lina und Gertrud",Wie Gertrud ihre Kinder lehrt",Das Buch der Mütter" die bedeutendsten.

Endlich wurde Pestalozzi's Streben auch von derRegierung des CantonS anerkannt; er durste, von ihrunterstützt, 1798 zu Stanz ein Landeserziehungshausfür arme Kinder gründen, aber leider folgten ihm Neidund Kabalen überall hin, und er vermochte nicht inStanz anszndanern. Pcstalozzi wurde nun Schullehrerin Burgdors, wo er eine neue Erziehungsanstalt bildeteund zu derselben sich tüchtige Hülfskräftc heranzog, aberauch dort war nicht gar lange seines Bleibens, erging1804 nach München -Bnchsce, und später nach Jfcr-ten, wo ihm Seitens der Regierung ein Schloß zueiner neuen Bildungsanstalt eingeräumt wurde. Zwi-schen Anfeindung und Verdächtigung, und zwischen Bei-fall und Anerkennung wirkte und waltete nun Pesta-lozzi als Reformator der Erzichungskunst mit Eiferund Neberzcugungstrcue, und gab seiner Erziehungs-methode die feste Begründung. Diese Begründung be-stand hauptsächlich in der Lehre von der Anschauungund dem wecken der im Kinde schlummernden geistigenKräfte und Fähigkeiten wie deren Entwickelung undLeitung auf eine der Natur gemäße Weise, eine Me-thode, die der wackere Fröbcl, ein treuer, vielleicht derallertreueste Nachfolger Pestalozzi's, in seinen Kinder-

gärten wieder aufs neue in das praktische Erziehungs-wesen der zartesten Jugend einzuführen anstrebte.

Warfen viele der Schüler Pestalozzi's durch späteresverkehrtes treiben auch Schatten auf ihren großen Mei-ster, so steht sein Gedächtniß doch in reinen Ehren vor demRichtcrauge der Nachwelt als eines Mannes da, dermit allen Kräften seines Lebens nur das Gute gewolltund gefördert hat, durch dessen Beispiel viele taufende vonKindern dem dumpfen Druck veralteter Methoden ent-zogen und zur frischeren Lebenslust freierer Entfaltunggeführt wurden, und der Ruhm seines Namens hatdie alte wie die neue Welt durchdrungen, er ist immernoch dem jungen, geistig strebenden Schulmann ein Ideal,ein Schiboleth, ein der Nacheiferung werthes Vorbildnur daß Pestalozzi's von Einseitigkeit nicht ganz freieMethode den Abänderungen unterworfen werden muß,die ein halbes Jahrhundert des Weiterschritts auch inder Erziehungswissenschaft unabänderlich bedingt undvon selbst herbeiführt. Den Glanz seines Namens aberwird keine veränderte Anschauung in jener Wissenschaft,in der er mit zuerst rühmliche Bahn brach, verlöschen.

Als hvchbetagter Greis endete Pestalozzi zu Brugg imCanton Aargau sein reines, gesegnetes Leben, dem diebittern Kelche der Vcrkennnng und Kränkung nicht erlassengeblieben waren, wie keinem, der für das Gute streitet.