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Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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gehörten, verband sich zur Herausgabe einer neuenMonatschrist, deren Vcrlagsort Bremen wurde undwelche Bremische Beiträge, später: «Neue bremischeBeiträge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes»benannt wurde. An diesen Beiträgen war nun Rabener, mitten in tüchtiger praktischer Gcschästswirksamkeit, be-sonders thätig und gab dann die darin niedergelegtenSatyren, wie auch die satyrischen Briefe besondersheraus. Rabencr'S Satyre würdigte sich nie zumPasquill herab; sie traf, stets frei vom Gifte der ver-letzenden Bosheit, die Schwächen aller Stände, dasKandidaten-, das Hofmeisterwesen u. dgl., doch machtes der Satyriker selten dem Publikum zu Dank. Ueberandere will jeder gern lachen, sich selbst will keinerim Spiegel der Satyre erblicken, und muß er es, soschneidet er grimmige Gesichter. Dieß empfand Ra-bcner, seit 1723 im Oberstcuer-Collegium zu Dresden erster Sccretair, und nahm im 4tcn Bande seiner sa-tyrischen Schriften Abschied von seinen Lesern, wozuihn jedenfalls höhere Rücksichten vermochten. Bei derBelagerung von Dresden, 1760, brannte mit anderenRabcner's Haus mit allem seinem Mobiliar und seinenManuseripten ab, und man vermuthet, daß dabei höchstanziehende Satyrcn auf die höheren Stände verlorengegangen, von deren Veröffentlichung der Dichter durch

Rücksichten abgehalten wurde. Nach wiederhergestelltemFrieden wurde Rabener Steuerrath, bekam vermehrteBerufsgeschäfte und es begann allmählich seine Gesund-heit zu schwanken. Podagra stellte sich ein, und 1767,als er die Leipziger Michaelis-Messe und seinen gelieb-testen Freund und zugleich Amtsverwandten, den Kreis-steuereinnehmer Christian Fclir Weiße, besucht hatte,erlitt er einen Schlaganfall, der ihm die Extremitätender linken Seite zum Theil lähmte. In ungetrübterLaune berichtete er dieß dem Freunde und nahm gleich-sam Abschied von ihm: «Es war eine Hcmiplegie.Wenn die Holoplegie kommt Adieu, mein lieberHerzens-Weiße, ich empfehle mich Ihnen, Ihrerbesten Frau und Ihrer kleinen dsnels jo^euss zu gutemAndenken! Adieu Spargel, Austern, Lerchen undWitz!» Aerztliche Kunst und Diät fristeten das vonder Hand des Todes angerührte Leben Rabener's indeßnoch einige Jahre, 1769 wiederholte sich der Schlaganfallstärker, Munterkeit und Witz, die fröhlichen Gefährtender Gesundheit, wichen von ihm, und am 22. März1771 endete ein Stickfluß sein Leben, das die Freund-schaft, namentlich mit dem vorangegangenen Gellertund mit Weiße verschönt, Redlichkeit und Berufstreuegeadelt und die Dichtkunst verklärt hatte.