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Frau; Volßmnr Reinhard.
Geb. d. 12. März 1723. gest. d. 6 . Sept. 1812.
Dieser hochberühmte Theolog und Kanzelredner wurdein dem vormalig herzoglich Sulzbachischcn MarktfleckenBohenstrauß geboren. Sein Vater war dort Pre-diger und gab ihm eine gute, christlichfrommc Erzie-hung, bei welcher er als den Urgrund einer solchen dieBibel als erstes Lehrbuch anwandte. Christenthum unddie Kenntniß alter Sprachen wurden die hauptsäch-lichsten Stützen des für den geistlichen Stand bestimmtenfähigen Jünglings, welcher im Alter von 15 Jahren,1768, auf die Schule nach Rcgensburg kam und nachder vollendeten Schulzeit die Universität Wittcnberg1775 besuchte. Dort studirte Reinhard neben Theo-logie und Philologie mit Vorliebe auch Philosophie, inwelcher er die erhabene Führerin zu höherer Weisheit,den Grundpfeiler geistiger Bildung, den Weg zur Gott-erkenntniß fand, und nicht, wie so manche neuere, dieBahn zu eitler Selbstvergötterung und zum spiri-tualistischen Atheismus. Nach vollendeten Studien wollteReinhard nach seiner Heimath zurückkehren, aber wohl-wollende Gönner und Freunde riethcn ihm, zu bleibenund das academische Lehrfach, zu dem er voll befähigt
erschien, zu ergreifen. Reinhard folgte dem Winke undnahm 1777 unter dem Vorsitze seines Gönners Dresdedie akademischen Würden an. Der junge Docent warfreilich anfangs durch seine ökonomische Lage bedrängtund ging gleich andern nicht ohne Mühen und Dornenund durch Dunkel zum Licht, ja es litt dabei sogarseine Gesundheit, aber wachsender Beifall erhob ihnund ein festes Vertrauen auf Gott und die eigene Kraftließ ihn nicht sinken. Im Jahre 1778 wurde Rein-hard Adjunkt der philosophischen Facultät, dann Bak-kalaureus der Theologie und las nun theologische Kol-legia; zwei Jahre später trat er als außerordentlicherProfessor der Philosophie auf und vcrhcirathete sich;1782 wurde er ordentlicher Professor der Theologie;das Jahr 1784 sah ihn als Propst an der Schloß-und Universitätskirche zu Wittcnberg, und zugleichempfing er die Anstellung als Assessor des geist-lichen Provincialconsistoriums. Reinhard lebte einfach,still, doch gemüthsfroh in schöner Häuslichkeit, unter-stützte mit Freudigkeit jetzt, da er es vermochte, armeStudirendc, nahm von unbemittelten kein Honorar und