Druckschrift 
Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen / hrsg. v. Ludwig Bechstein
Entstehung
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verbreitete nur Liebe, Güte und Wohlwollen um sichher, während der treuesten Führung seiner Aemter undErfüllung seiner Pflichten. Einen ehrenvollen Ruf andie Universität Helmstädt , welcher ihm eine Professurmit 1200 Thaler Gehalt sicherte, lehnte er dankendab, folgte aber bald darauf im Jahre 1792 der Be-rufung nach Dresden , wo durch Hermann's Tod wich-tige Stellen erledigt waren, und wurde nun Oberhof-prediger, Kirchenrath und Oberkonsistorial-Assessor. Sowurde Reinhard dem mit Fleiß und Freude geübtenaeademischen Lehramt entzogen, um in noch wichtigererStellung ausschließlich dem Predigtamtc, der Seelsorgeund dem geistlichen Berufe als Kirchenrath und imKonsistorium zu folgen. Ein großer und wichtigerThätigkeitskrciS that sich vor ihm auf, aber Reinhardwar der Mann, denselben auszufüllen und dem in ihngesetzten Vertrauen auf das glänzendste zu entsprechen.Unter ihm hob sich das kirchliche Leben, hob sich dieBlüthe der Lehranstalten, verbesserten sich die Gehalteder Lehrer, und mit unermüdlichem Eifer wirkte er nachallen Richtungen hin anregend und das gute fördernd,unter andern auch durch Einführung neuer Perikopcnund Gesangbücher. Dabei fand Reinhard doch nochMuße für eigene zahlreiche schriftstellerische Arbeiten,von denen mehrere vollständig erst nach seinem Todeerschiene». Außer vielen kleineren und Gclegenheits-schristen schrieb Reinhard: «Versuch über den Plan,welchen der Stifter der christlichen Religion zum Bestender Menschheit entwarf», dieser Versuch erlebte 4 Auf-lagen; «System der christlichen Moral», 5 Auflagen;«Vorlesungen über Dogmatik», 3 Auflagen. Rein-hard's allbekannte, mit Recht geschätzte Predigten, 35Bände mit einigen Supplementbänden erschienen von1792 bis 1833, seine Opusouin seackemiea gab er>809 gesammelt heraus. Seine Uebersetzung derPsalmen erschien, von Dr. Heckcr herausgegeben, 1813;seine Reformationspredigten ließ Bcrthold von 1821bis 1824 in drei Bänden erscheinen.

Wie Reinhard groß und bedeutend als akademischerLehrer gewesen war, so war er es auch als Kanzel-redner und als Schriftsteller. Die Glaubensrichtung,die er einschlug, hielt sich gleichweit von der fröm-melnden Mystik, wie von dem alles kirchliche Gemüths-leben zersetzenden Nationalismus. Reinhard war undblieb übcrzeugungtreuer Supranaturalist, ohne über-eifriger und überstrenger Orthodor zu sein. SeinGlaube war der innige, tiefe und beseligende, den diedurch die Bibel geoffenbarte Religion Jesu Christi lehrtund predigt. Ihm folgte er nach, ihn lehrte er durchWort und Schrift, vielen Tausenden zum Heil undzum Segen.

Ein unglücklicher Fall, den Reinhard auf einerGeschäftsreise im Sommer 1808 that, und der einenBeinbruch zur Folge hatte, wirkte höchst nachthciligauf seine Gesundheit ein, die selbst durch den Gebrauchdes Karlsbadcs nicht völlig wieder hergestellt wurde.Im Jahre 1809 erging ein höchst ehrenvoller Rufvon Berlin aus an Reinhard; er sollte dort Mitglieddes Staatsrathcs werden, seinen Gehalt selbst bestimmen,der König von Preußen war entschlossen ihm 4000,ja 5000 Thaler zu bewilligen aber Reinhard nahmdieses glänzende Anerbieten nicht an, er wollte demSachscnlande, dem er so viel dankte, nicht untreuwerden. Schon 1808 hatte er bei Gelegenheit der400jährigen Stiftungsfeier der Universität Leipzig ab-ändernde Verbesserungen ihrer innern Einrichtung vor-bereiten helfen; im Jahre 1810 wurden durch ihnLeipzig und Wittenberg und die Schulen Pforta ,Meißen und Grimma revidirt und besser organisirt.Es war dieß die letzte von Reinhard's segensreichenThätigkeiten; nach der Rückkehr von dieser Reise warfihn eine heftige Krankheit nieder und ob auch dieKunst der Aerzte ihm noch eine längere Zeit das Lebenfristen half, so erlag er doch nach zwei Jahren einemerneuten Anfall. Was Sachsen Reinhard's Wirken zudanken hat, wird nie vergessen werden.